Erstmals wurden die Rechenzentren von Amazon in Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten durch Raketen- und Drohnenangriffe getroffen, was zu erheblichen Ausfällen in der Region führte. Adrien Manniez, ein Politikwissenschaftler und Cyberabwehrexperte, äußerte gegenüber RTS seine Überraschung über solche Angriffe: «Darauf waren wir überhaupt nicht vorbereitet. Damit hat niemand gerechnet.» Obwohl Rechenzentren stark gegen Cyberangriffe und physische Eindringlinge abgesichert sind, bieten sie keinen Schutz gegen Luft- oder kinetische Angriffe.
Mit der verstärkten Nutzung von künstlicher Intelligenz in militärischen Operationen steigt die strategische Bedeutung dieser Zentren. Manniez erklärt: «In diesen Zentren laufen KI‑Systeme, die für die Kriegsführung eingesetzt werden, insbesondere von Israel und den USA.» Dadurch werden sie zu wichtigen Zielen und symbolisieren Angriffe auf Wirtschaft und Technologie der Golfstaaten.
Der Schutz dieser strategischen Infrastrukturen rückt in den Fokus. Lösungen wie bauliche Verstärkung oder das Auslagern sensibler Daten in unterirdische Anlagen werden diskutiert. In der Schweiz nutzen bereits einige Rechenzentren ehemalige Militärbunker. Bastien Henri von Bunker Swiss bestätigt: «Wir erhalten bis zu hundert Anfragen pro Woche, doch das Angebot ist begrenzt. Die Kosten können mehrere zehn Millionen Franken betragen.»
Die Schweizer Armee zeigt sich allerdings zurückhaltend bei der Abgabe weiterer Anlagen. Bastien Henri sieht die Chance, dass mehr solcher Bauwerke in der Schweiz entstehen könnten: «So könnte man die Nachfrage decken und die Schweiz in einem zukunftsträchtigen Markt positionieren.»
Cybersicherheitsexpertin Solange Ghernaouti identifiziert ein anderes Problem: die Energieversorgung der Rechenzentren. «Wenn die Kühlung ausfällt, sind diese Anlagen nicht mehr nutzbar», betont sie. Die Abhängigkeit von Informatik und künstlicher Intelligenz mache moderne Gesellschaften anfälliger für Verwundbarkeit.