Luca Sigrist ist ein vielversprechender Spieler des Handballclubs Kriens-Luzern und seit zwei Jahren dort Leistungsträger. Der 20-jährige Nationalspieler wird in der Sommerpause zur deutschen Bundesliga wechseln, um sich MT Melsungen anzuschließen, einem Team in einer der weltweit führenden Ligen.
Aktuell trägt Sigrist jedoch häufiger einen Tarnanzug als sein Handballdress. Bevor er nach Deutschland geht, absolviert er die Rekrutenschule in Emmen bei der Bodluv 33, einer Schule für bodengestützte Luftverteidigung.
In seiner Funktion als Systemsoldat unterstützt Sigrist den Betrieb und die Infrastruktur des Militärs. Er beschreibt seine Rolle humorvoll: «Ein Systemsoldat ist quasi der Hausabwart der Kaserne. Wir putzen, räumen auf und springen ein, wo Not am Mann ist.»
Obwohl Sigrist theoretisch in Magglingen hätte dienen können – eine Einrichtung zur optimalen Vereinbarung von Profisport und Militärpflicht – ist dies nicht geschehen. Grund dafür war ein Fehler beim Schweizerischen Handballverband, der seine falsche E-Mail-Adresse eingetragen hatte, sodass er keine Einladung zum Infotermin in Magglingen bekam.
Als die Aushebung stattfand und er den Anmeldeschluss verpasste, war Sigrist zunächst frustriert. Trotzdem setzt er alles daran, seine Profikarriere neben der Dienstpflicht fortzusetzen. Als «qualifizierter Athlet» darf er pro Woche vier Trainingseinheiten à drei Stunden absolvieren und an Wettkämpfen teilnehmen.
Dennoch muss Sigrist die Regeln des Militärs befolgen: Er muss 80 Prozent seines Dienstes ableisten. Oberst Enric Amigo, Kommandant der Bodluv-Schule 33, erklärt: «Mehr als 24 Tage Urlaub über 18 Wochen kann ich ihm nicht gewähren.»
Für die meisten Rekruten bedeutet ein Besuch eine Verlegung. Sigrist jedoch bleibt in Emmen, da dies im Rahmen der Sportförderung entschieden wurde und seine Trainingsmöglichkeiten durch räumliche Nähe zum Club optimiert werden.
Der Handballclub passt seine Trainingszeiten an die körperliche Belastung der Rekrutenschule und Sigrists Schlafbedürfnisse an. «Als Sportler sollte man acht bis zehn Stunden schlafen, hier sind es nur noch sechs», sagt Sigrist, der zunächst Schwierigkeiten hatte, sich anzupassen, jetzt aber lernt, damit zu leben.
Sein Spagat zwischen Training, Playoff-Spielen und Militärdienst dauert bis Mitte Mai. Über seine verbleibende Zeit in der Rekrutenschule sagt er: «Ich bin schon froh, wenn es durch ist.» Eine Aussage, die wahrscheinlich auch viele seiner Kameraden teilen würden.