“Gemeinsam haben wir das Orban-System abgewählt und Ungarn befreit!” verkündet Peter Magyar jubelnd an die Menschenmenge am Donauufer in Budapest. Zehntausende versammeln sich, um den neuen Premierminister zu feiern oder Viktor Orbans langjährige Amtszeit als EU-Regierungschef zu beenden.
Vor allem jüngere Wähler haben Magyar und damit den politischen Wandel unterstützt. Eine junge Frau drückt sich ins SRF-Mikrofon: “Ich fühle mich einfach nur befreit.” Ein junger Mann hofft, dass die Regierung das gestohlene Geld zurückerstattet.
Magyar positionierte sich im hitzigen Wahlkampf als Gegenfigur zu Orban. Er kritisierte Korruption und Machtmissbrauch sowie die wirtschaftliche Misswirtschaft. Magyar, ein 45-jähriger Jurist, war früher Teil von Orbans Fidesz-Partei und Karrierebeamter im System. Doch er verließ die Partei nach einem Skandal um eine Begnadigung im Pädophilie-Skandal.
In einem Interview mit der Plattform Partizan bezeichnete Magyar Orban als “Kopf des Mafia-Staats”. Der Auslöser war die Begnadigung eines Fidesz-Vertreters, der sexuellen Missbrauch gedeckt hatte. Die damalige Justizministerin Judit Varga – Magyars Ex-Frau – unterzeichnete die Begnadigung und musste zurücktreten.
Das Interview machte Magyar zum Whistleblower und schließlich zum Politiker. Er sammelte rasch den Widerstand gegen Orban, unterstützt von der zersplitterten Opposition. Péter Márki-Zay, ein früherer Herausforderer Orbans, erkannte die Gelegenheit: “Wir brauchen jemanden hinter uns, um Orban zu überholen.”
Bereits früh im Wahlkampf zeigte sich, dass Orbans Rhetorik an Wirkung verlor. Magyar besuchte ländliche Gebiete und hörte den Menschen zu – ein direkter Kontrast zu Orbans Schwerpunkt auf Migranten- und Sicherheitsbedrohungen.
Ein Besuch in einem Spital offenbarte das Ausmaß der Versorgungsengpässe: “Keine Seife, keine Handtücher, kein Toilettenpapier!” Magyar sprach während seiner Wahlkampftour persönlich mit 200.000 Menschen.
Obwohl er als Konservativer gilt und nicht als Kulturkämpfer auftritt, wählt ihn die urbane Linke ebenfalls, um Orban zu stürzen. Auch enttäuschte Fidesz-Wähler sehen in ihm eine Alternative.
Orbans Verbot der Pride-Parade löste Proteste aus – sogar von konservativen Kritikern wegen der Versammlungsfreiheit, während Magyar sich zurückhielt. Mit seinen eigenen Mitteln – Konservatismus und Patriotismus – hat er Orban in nur zwei Jahren besiegt.
Magyar verspricht jetzt wirtschaftlichen Aufschwung, Rechtsstaatlichkeit und das Ende der “illiberalen Demokratie”. Die Erwartungen sind hoch, genauso wie die Herausforderungen für den Politneuling.
Rendez-vous, 13.04.2026, 12:30 Uhr