Der Ausbruch des Krieges in der Golfregion hat den Schweizer Industriekonzernen Sika, Sulzer und Givaudan einen wichtigen Wachstumsmarkt geraubt. Seit über drei Jahren erlebt die Schweizer Industrie turbulente Zeiten, ausgelöst durch den Ukraine-Konflikt. “Die Unsicherheit hat sich verstetigt”, stellt Jean-Philippe Kohl, Chefökonom von Swissmem, fest.
Trotz leichter Hoffnungsschimmer – im letzten Quartal 2024 lag die Kapazitätsauslastung der MEM-Sektorenfirmen bei 81,5 Prozent und damit auf einem höheren Niveau als zuvor – brach kurz nach dieser positiven Meldung der Iran-Krieg aus. Die jüngst veröffentlichten Geschäftszahlen des ersten Quartals deuten darauf hin, dass ein Aufschwung weiterhin ausbleibt: Viele Kunden zögern beim Kauf neuer Maschinen.
Swissmem berichtet von anhaltenden Herausforderungen durch hohe US-Zölle und einer starken Abwertung des Dollars gegenüber dem Franken. Auch der chinesische Markt bleibt schwach, während die Lage in Europa sich etwas gebessert hat, wie Kohl hervorhebt.
Sika erlebte im ersten Quartal eine Umsatzsteigerung von 4 Prozent in Europa, Nahost und Afrika, während die Verkäufe in den Regionen Americas und Asien-Pazifik zurückgingen. Ein stärkeres Wachstum hätte ohne die durch den Iran-Krieg verlangsamte Bautätigkeit im Nahen Osten erzielt werden können.
Givaudan musste einen Umsatzrückgang von 7 Prozent in der Region mitnehmen, die auch Indien und Afrika umfasst. Der Konzern ist führend bei Duftstoffen für Parfums, die im Nahen Osten hoch geschätzt werden.
Sulzer, ein Hersteller von Pumpen, verzeichnete einen Rückgang des Bestellungseingangs um 6 Prozent, hauptsächlich wegen Verzögerungen im Wassergeschäft in der Region. Der Krieg beeinträchtigte auch den Servicebereich durch Stilllegung energieerzeugender Anlagen.
Die Auswirkungen des Iran-Krieges auf das globale Vertrauen sind noch unklar, doch eine langanhaltende Krise könnte die Weltwirtschaft stark belasten. Der IWF senkte seine Wachstumsprognose für 2026 aufgrund der anhaltenden Unsicherheit.
Ein schnelles Ende des Konflikts könnte das Vertrauen stärken und Investitionsschwierigkeiten lindern, die viele Schweizer Unternehmen bereits seit Jahren erleben. Eine Erholung im Industriesektor bleibt eine dringend benötigte Perspektive.