Der ehemalige Weltklassestürmer Horst Hrubesch feiert am Freitag seinen 75. Geburtstag. Bekannt für seine beeindruckenden Kopfballtore, wandte er sich später dem Training von Nachwuchsmannschaften und Frauenteams zu, was ihm große Anerkennung einbrachte. Sein Werdegang ist eng mit seiner Herkunft verbunden: Aufgewachsen in Hamm bei Westfalen als eines von fünf Kindern nach der Trennung seiner Mutter vom alkoholabhängigen Vater, prägte ihn diese familiäre Dynamik nachhaltig.
Hrubesch war ein Angreifer mit einem exzellenten Timing für Flanken – bekannt für die legendären „Bananenflanken“ seines Mitspielers Manfred Kaltz. Seine Ehefrau spielte während seiner aktiven Zeit eine entscheidende Rolle, da er neben Fussball auch Handball betrieb und seine Familie häufig zu Spielen begleitete oder sich um die Kinder kümmerte.
Mit dem Hamburger SV gewann er den Europacup der Landesmeister und wurde mit der deutschen Nationalmannschaft 1980 Europameister. Später kehrte er zum HSV zurück, wo er als Nachwuchs-Direktor fungierte und gelegentlich als Interimstrainer einsprang. Dennoch bleibt sein Engagement bei der EM 2000 in Erinnerung, als Deutschland überraschend ausschied.
In seinen späteren Jahren übernahm Hrubesch ungewöhnliche Aufgaben: Olympiasilber mit den Männern und zwei EM-Titel mit den Junioren sowie eine Bronzemedaille mit dem Frauenteam zeugen von seiner Kompetenz. Sein Erfolg verlieh ihm Respekt, der ihn sogar als potenziellen Nationaltrainer ins Gespräch brachte.
Trotz seines unkonventionellen Weges zum Trainer zeigt Hrubesch eine bemerkenswerte Empathie, die er auf seine Kindheit mit vier Geschwistern zurückführt. Er vermittelt den Grundsatz: „Wir können ohne dich, aber du nicht ohne uns.“ Seine Herangehensweise war immer geprägt von direkter Kommunikation und einer Fähigkeit zum Team-Building.
Als Interimscoach der deutschen Frauenmannschaft im Jahr 2018 etablierte er sofort ein Vertrauensverhältnis mit dem Motto „Spass mit Horst“. Trotz anfänglicher Drucksituationen und fehlender Testspiele führte er ungewöhnliche Maßnahmen durch, um das Team zu festigen.
Hrubesch legt Wert auf praktische Lebensweisheiten für seine Spieler: Sich im Anzug vor den Spiegel stellen, um die eigene Haltung zu reflektieren. Seine Stärke liegt in der intuitiven Handhabung von Situationen, wie bei einem Vorfall kurz vor dem EM-Finale 2009, als er seinen Spielern eine Lektion über Verantwortung beibrachte.
Hrubesch verkörpert die Maxime: Fussball ist ein einfaches Spiel, wenn man es nur richtig versteht – so wie er.