Markus Bartholet, Mitglied der Geschäftsführung bei Kybun-Joya, ist stolz auf seine Gesundheitsschuhe mit dem «Swiss Technology»-Label. Auf einem Paar prangt ein Schweizerkreuz und das Label «Made in Switzerland». Ein anderes Modell ziert eine italienische Flagge und der Slogan «Made in Italy», obwohl beide Schuhpaare hierzulande entwickelt wurden.
Das Institut für Geistiges Eigentum (IGE) hatte 2015 die Kennzeichnung mit einem Schweizerkreuz auf ausländisch produzierten Kybun-Schuhen untersagt. Neue Richtlinien erlauben es nun Firmen, die in der Schweiz entwickelt aber im Ausland hergestellt werden, «Swiss Engineered» zu deklarieren. Das könnte Kybun-Joya zugutekommen.
Bartholet und seine Geschäftsführerkollegen Claudio Minder und Karl Müller kritisieren jedoch diese Praxisänderung. Sie befürchten den Verlust der inländischen Produktion, was zur Abwanderung von Fachkräften führen könnte. «Was ist ein Land noch wert, das nicht mehr selbst produziert?», fragt Müller. Einst war die Schweiz eine bedeutende Schuhproduzentin, doch dieser Sektor verlor stark an Bedeutung.
Bartholet betont: Nur durch direkten Kontakt zur Produktion könne ein Entwickler Fehler erkennen und Optimierungen vornehmen. Die Unternehmer setzen sich für die Revitalisierung der heimischen Industrie ein, um Abhängigkeiten vom Ausland zu vermeiden.
Im Dezember 2025 erwarben sie die historische Schuhmarke Elgg, gegründet 1847 in Winterthur. «Elgg ist geladen mit Swissness», sagt Minder. Die Firma arbeitet an Kampfstiefeln für Frauen und plant möglicherweise, das Militär zu beliefern, um eine Abhängigkeit vom Ausland zu verhindern.
In Sennwald produzieren sie die Kybun-Sohlen komplett vor Ort mit einem Investitionsvolumen von 15 Millionen Franken. Die Marke Kandahar wird in kleinen Serien hergestellt, was in Asien nicht machbar wäre. Hier arbeiten die Angestellten nach dem Werkstattprinzip und wechseln ihre Aufgaben häufig.
Die Produktion der Kybun-Schuhe erfolgt mit speziellen Maschinen, deren Technologie Bartholet als einzigartig bezeichnet. Investitionen in neue Geräte sowie internationale Niederlassungen im Irak und geplant in Pakistan zeigen die expansive Strategie des Unternehmens.
Trotz finanzieller Herausforderungen ist es ihnen wichtig, eine starke Marke aufzubauen und anderen als Inspiration zu dienen. Bartholet kritisiert das IGE für die Lockerung der Bestimmungen: «Das schwächt den Schweizer Standort.» Während des internationalen Expansionskurses hängen sie in jedem neuen Geschäft eine Schweizer Kuhglocke auf, symbolisch für ihre Verbundenheit zum Heimatland.