Trotz des Bestrebens, keine Energie mehr aus dem feindlichen Nachbarstaat zu beziehen und den absehbaren Ausstieg beim Gas, bleibt die EU im Bereich der Kernenergie stark von Russland abhängig. Ursula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission, hat jüngst betont, dass Europa durch die aktuelle Energieverknappung dazu gezwungen ist, auf heimische und erneuerbare Quellen wie Atomkraft umzustellen.
Allerdings zeigt sich, dass Russland weiterhin eine zentrale Rolle spielt: 25 Prozent des benötigten angereicherten Urans stammen aus diesem Land. Die EU-Kommission hat zwar das Ziel, die Abhängigkeit im Energiesektor endgültig zu beenden, doch der Zeitrahmen für eine vollständige Emanzipation bleibt unklar und dürfte Jahre in Anspruch nehmen.
Während der Gasimport aus Russland bis November 2027 eingestellt wird, bleibt die Situation bei der Ölversorgung komplexer. Ungarn und die Slowakei blockieren einen vollständigen Ausstieg von russischem Pipeline-Öl, obwohl Alternativen über kroatische Pipelines bestehen.
Im Bereich der Nuklearenergie ist die Lage besonders herausfordernd. 19 Atomreaktoren des russischen Typs VVER sind in EU-Ländern wie Tschechien und Ungarn aktiv und produzieren bis zu 50 Prozent des Stroms. Sie sind noch immer auf Brennstäbe aus Russland angewiesen, obwohl Alternativen von US-Unternehmen existieren.
Während Tschechien plant, 2029 die Abhängigkeit durch Lieferungen des amerikanischen Unternehmens Westinghouse zu lösen, arbeitet die französische Firma Framatome an einer europäischen Lösung zur Versorgung dieser Reaktoren. Die Produktion soll ab 2028 starten, doch die Liefermengen sind noch ungewiss.
Im Gegensatz dazu hat sich die Ukraine bereits vor über zwei Jahrzehnten von russischem Brennstoff gelöst und arbeitet seit 2014 mit Westinghouse zusammen. Russland sah diese Neuausrichtung als politisch motiviertes Risiko.
Die EU hingegen sieht sich einer komplizierten Abkoppelung gegenüber, deren Ende möglicherweise erst 2034 erreicht wird, da die Nachfrage nach aufbereitetem Uran durch andere Länder nicht gedeckt werden kann. Trotz ambitionierter Ziele bleibt das Risiko bestehen.