Angesichts der durch den Iran-Krieg verursachten Preisexplosion bei Benzin und Diesel haben mehrere Länder, darunter Deutschland, die Mineralölsteuer gesenkt. Hans Gersbach, Co-Direktor der KOF/ETH, rät jedoch von einer solchen Maßnahme für die Schweiz ab.
Hans Gersbach, Co-Direktor der Konjunkturforschungsstelle KOF an der ETH Zürich, konzentriert sich auf die Entwicklung wirtschaftlicher und politischer Institutionen zur Förderung des langfristigen Allgemeinwohls. Seine Forschungen umfassen Themen wie Geldtheorie, Innovation, epidemische Krankheiten und Finanzstabilität. Er ist Professor am Departement für Management, Technologie und Ökonomie.
Gersbach erklärt im Interview mit SRF News: “Die Situation in Deutschland ist aufgrund der unterschiedlichen Preisstrukturen und wirtschaftlichen Auswirkungen nicht direkt auf die Schweiz übertragbar.” Obwohl auch hierzulande hoher Preisdruck herrscht, sei eine Senkung der Mineralölsteuer aus ökonomischer Sicht problematisch. Der Grund: Sie ist sozial ungenau, reduziert Anreize zum Energiesparen und erfordert alternative staatliche Einnahmen.
Warum entscheiden Regierungen in Deutschland oder Italien anders?
Gersbach: Eine Senkung der Mineralölsteuer bietet eine schnelle Breitenentlastung ohne spezifische Zielwirkung. Daher wird sie politisch oft eingefordert, hat aber den Nachteil mangelnder Präzision. Es wäre sinnvoller, gezielte Entlastungen zu prüfen.
Welche alternativen Maßnahmen sind vorstellbar?
In Deutschland wurde eine Erhöhung der Pendlerpauschale diskutiert; in der Schweiz könnte man eine differenzierte CO₂-Rückerstattung erwägen, falls die hohen Brennstoffpreise anhalten. Dadurch könnten gezielt Haushalte unterstützt werden, ohne die Preissignale zu verzerren.
In der Schweiz beträgt die Lenkungsabgabe auf fossile Brennstoffe 120 Franken pro Tonne CO₂-Emissionen. Zwei Drittel dieser Einnahmen werden über Krankenkassenprämien pro Kopf zurückerstattet, während ein Drittel in Energiewende-Projekte investiert wird.
Was wäre bei einer solchen Maßnahme der Unterschied?
Die Spritpreise blieben gleich hoch, was den Anreiz zum Verbrauchseinsparung beibehielte. Gleichzeitig würden Haushalte durch eine höhere Rückvergütung aus der Lenkungsabgabe entlastet werden können, differenziert nach Einkommen.
Das Interview wurde von Julius Schmid geführt.
SRF 4 News aktuell, 14.4.2026, 8:20 Uhr