Die Einführung eines neuen IT-Systems durch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) sollte die Auszahlung von Arbeitslosengeld vereinfachen. Doch es entstanden Probleme, die zu Zehntausenden Überstunden und einer erheblichen Personalaufstockung führten. Der Bund bestreitet jedoch diese Vorwürfe. Nach der Implementierung des neuen Programms durch das Seco häufen sich bei den Arbeitslosenkassen Schwierigkeiten. Anfänglich waren die Arbeitslosen am stärksten betroffen, da sie teilweise monatelang auf ihr Geld warten mussten. Jérôme Cosandey, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, entschuldigte sich kürzlich bei einer Medienkonferenz für Fehler und versprach Verbesserungen. Trotzdem ist die Skepsis unter den Schweizer Arbeitslosenkassen groß. Jean-Claude Frésard, Direktor der Kantonalen Arbeitslosenkasse Wallis und Präsident des Verbands öffentlicher Arbeitslosenkassen der Schweiz, erkennt zwar eine langsame Besserung an, sieht aber weiterhin Herausforderungen. Eine Umfrage unter den Kassenverbandmitgliedern zeigt: Seit Dezember summierten sich die Überstunden auf 22.000 – das entspricht elf Vollzeitstellen über ein Jahr. Zusätzlich werden derzeit etwa 200 neue Mitarbeiter eingestellt, um dem Aufwand des neuen IT-Systems entgegenzuwirken. Von den insgesamt 32 Arbeitslosenkassen in der Schweiz sind rund die Hälfte privat organisiert, wie etwa von der Gewerkschaft Unia. Diese wurden nicht in Frésards Umfrage berücksichtigt. Jedoch bestätigte er gegenüber der NZZ auch bei diesen Kassen zusätzliche Personalaufstockungen. Das Seco räumt zwar ein, dass Überstunden und punktuelle Neueinstellungen stattfinden, betont aber, dass die 200 neuen Stellen im Kontext zu sehen seien. So würden sie durch steigende Arbeitslosenzahlen und übliche Fluktuationen bedingt. Langfristig ist das Bundesamt optimistisch: Durch Digitalisierung und automatisierte Prüfungen soll sich die Effizienz verbessern, was administrative Entlastung bringen wird. Frésard sieht jedoch aktuell kaum Verbesserungen. Wöchentlich kämpft man mit Pannen, insbesondere beim E-Service-Portal “Job-Room”, wo Dokumente fehlten. Das Hauptproblem sind die verlängerten Bearbeitungszeiten: Ein Vorgang, der früher zwei bis drei Minuten dauerte, beansprucht heute 15 bis 20 Minuten. Dies führt zu Wartezeiten bei den Schaltern. Das Seco erklärt, dass neue Kontroll- und Freigabeschritte in die Software integriert wurden, was mittel- bis langfristig Fehler reduzieren soll. Eine vollständige Normalisierung erwartet man im Laufe der kommenden Monate. Frésard ist weniger optimistisch: Er fordert grundlegende Änderungen für effizientere IT-Prozesse und kürzere Bearbeitungszeiten, ohne die Notmaßnahmen aufrechterhalten werden könnten. Seine Kasse im Wallis hat fünf Personen angestellt, um Spezialisten zu entlasten, Schalteröffnungszeiten verkürzt und zusätzliches Sicherheitspersonal eingestellt. Zusammenfassend führt die neue Software zur Schaffung neuer Stellen, aber noch nicht zu den erhofften Effizienzsteigerungen.