Meta arbeitet an einem fotorealistischen KI-Zuckerberg-Avatar, der in Zukunft Meetings von Mitarbeitenden besuchen könnte. Nach dem Misserfolg von Horizon Worlds setzt das Tech-Unternehmen auf diese innovative Technologie: Der digitale Zuckerberg wird entwickelt, um Fragen zu beantworten und Feedback zu geben, quasi als immer verfügbarer Chef.
Der CEO Mark Zuckerberg investiert wöchentlich mehrere Stunden in dieses Projekt. Ziel ist es, eine KI-Figur zu schaffen, die nicht nur äußerlich seinem Vorbild gleicht, sondern auch dessen Stimme und Entscheidungslogik übernimmt. Dies soll den rund 79.000 Mitarbeitenden ermöglichen, das Gefühl zu haben, direkt mit ihrem Chef zu kommunizieren, obwohl dieser physisch abwesend ist.
KI-Experte Mike Schwede erklärt: «Es handelt sich um ein Showcase und Skalierungsprojekt zugleich.» Das Unternehmen demonstriert seine technologische Fähigkeit und möchte Kommunikation effizienter gestalten. Der Avatareinsatz erfordert jedoch immense Rechenleistung für Echtzeit-Interaktionen.
Während Meta in KI investiert, experimentierte es 2023 bereits mit fiktiven Promi-inspirierten Chatbots, die allerdings nicht von echten Personen abgeleitet waren. Der aktuelle Ansatz zielt auf einen möglichst realistischen «digitalen Zwilling».
Die Sinnhaftigkeit eines Avatar-Chefs ist umstritten. Schwede betont: Bei Meta funktioniert es aufgrund der Tech-Affinität und des Verständnisses für virtuelle Realitäten. In traditionellen Unternehmen könnten jedoch Vertrauensprobleme auftreten, insbesondere wenn die Unterscheidung zwischen Mensch und KI verschwimmt.
Fotorealistische Avatare können ins «Uncanny Valley» abgleiten, wodurch Menschen nach Fehlern suchen. Zudem besteht das Risiko des «Liar’s Dividend», bei dem Inhalte als falsch oder manipuliert wahrgenommen werden könnten. Schwede warnt vor dem Eindruck eines «Lazy Leaders», der den persönlichen Austausch zugunsten einer Maschine aufgibt.
Er betont, dass KI Führung ergänzen, nicht ersetzen sollte: «Der echte Mensch bleibt im Lead.» Dennoch ist die Technologie auch in Schweizer Büros keine Utopie. Schwede arbeitet an einem digitalen Zwilling für eine prominente Schweizer Persönlichkeit mit klaren Richtlinien zu Kennzeichnung und Datenschutz.
Eine mögliche Herangehensweise ist die Sandwich-Methode: Der echte Mensch eröffnet und beendet den Austausch, der Avatar fügt dazwischen Inhalte ein. Ob Avatar-Chefs in der Schweiz Einzug halten werden, bleibt offen. Die Technologie entwickelt sich jedoch rasant voran und könnte bald Realität werden.