Die Zahlungen in internationalen Transaktionen in chinesischen Yuan haben im März einen sprunghaften Anstieg verzeichnet. Peking setzt darauf, den Einsatz seiner Währung zu verstärken, obwohl sie durch Kapitalverkehrskontrollen eingeschränkt ist und bisher eine marginale Rolle spielte. Die USA profitieren seit Jahrzehnten davon, dass Rohstoffe wie Erdöl und Gold hauptsächlich in Dollar gehandelt werden. Ein bedeutender geopolitischer Schachzug war die 1974 getroffene Vereinbarung zwischen den USA und Saudi-Arabien zur Abwicklung ihrer Erdölexporte in Dollar, vermittelt durch Henry Kissinger.
Der Dollar bleibt mit einem Anteil von rund 60 Prozent bei grenzüberschreitenden Zahlungen gemäß dem Swift-System die führende Währung. Dennoch weist das Transaktionsvolumen im chinesischen CIPS-Zahlungssystem einen Anstieg um fast 50 Prozent auf, was in etwa 920 Milliarden Yuan (circa 135 Milliarden Dollar) pro Tag entspricht.
Dieser Zuwachs ist eng mit dem Nahost-Konflikt verbunden, der die Rohstoffpreise weltweit treibt und den chinesischen Erdöleinkäufe in Yuan erhöht. Iranische Energielieferungen spielen eine bedeutende Rolle bei diesen Zahlungsströmen, da sie über nicht-amerikanisch angeschlossene Banken abgewickelt werden. Chinas Abhängigkeit von Rohstoffimporten und die Versorgungslücken im Golf verstärken diese Entwicklung.
China hat bereits begonnen, den Yuan international zu stärken, obwohl seine Kapitalverkehrskontrollen eine Herausforderung darstellen. Westliche Sanktionen gegen Russland nach dem Ukraine-Konflikt und Trumps Wiederwahl im November 2024 haben der chinesischen Währung zusätzlichen Schwung verliehen.
Die internationale Kreditvergabe in Yuan hat stark zugenommen, unterstützt durch Chinas niedrige Leitzinsen. Das Volumen der ausserhalb Chinas emittierten Anleihen und Darlehen erreichte 2025 einen Rekordwert von über 160 Milliarden Dollar.
Golfstaaten haben ihre finanziellen Verbindungen mit China intensiviert, wobei Saudi-Arabien sogar darüber nachdenkt, seine Ölexporte in Yuan abzurechnen. Dies würde die strategische Rolle des Dollars bei der Finanzierung amerikanischer Staatsanleihen und als geopolitisches Druckmittel bedrohen.
Trotz des Anstiegs im Jahr 2024 ist der Yuan-Anteil auf dem Swift-System wieder gesunken. Die Daten könnten die tatsächliche Nutzung unterschätzen, da immer mehr Banken Zugang zum CIPS-System erhalten und Zahlungen zunehmend von Dienstleistern nicht erfasst werden.
Das Projekt mBridge der BIZ zur digitalen Zentralbankwährung wird nun ohne amerikanische Beteiligung weitergeführt. Mit Transaktionsvolumina von 55,5 Milliarden Dollar zeigt sich das Potenzial eines parallelen Finanzsystems.
Trumps Politik verstärkt das Interesse an Alternativen zum Dollar und bietet China mehr Handlungsspielraum. Die chinesische Notenbank hat Maßnahmen angekündigt, um den grenzüberschreitenden Handel in Yuan zu fördern.
Der Konflikt zwischen Iran und dem Westen verschärft die Lage, da Zahlungen durch die strategisch wichtige Strasse von Hormuz nun häufiger in Kryptowährungen oder Yuan erfolgen. Dies könnte einen signifikanten Abfluss finanzieller Kontrolle der USA bedeuten.
Obwohl Trumps Politik langfristig zu einer Verschiebung der währungspolitischen Ströme führen könnte, wird es noch einige Zeit dauern, bis der Yuan eine echte Alternative zum Dollar darstellen kann. Pekings strenge Kapitalverkehrskontrollen und die politische Dominanz im Finanzsystem stellen erhebliche Hürden dar.