«Es war schrecklich. Drinnen hörte man Schreie, Hilferufe. Der Geruch von verbranntem Fleisch. Ein Geruch, der mir in der Nase geblieben ist. Bis heute.» Marc (Name geändert) erinnert sich genau an die dramatischen Momente des Brandes von Crans-Montana in der Neujahrsnacht, einer Tragödie, bei der 41 Menschen starben und 115 verletzt wurden, hauptsächlich junge Menschen. Marc berichtet dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI): «Eine Person kam die Treppe hoch, wurde von Flammen umhüllt und schrie: Raus hier, es brennt.» Doch eine Flucht war unmöglich, da zu viele Menschen im Gang waren. «Ich stürzte über jemanden, der vor mir fiel, und weitere Personen kamen daraufhin auf uns», berichtet er. Marc konnte sich retten, weil ihn jemand an der einzigen noch sichtbaren Hand aus dem Haufen zog: «Genau das hat mich gerettet. Es ist schrecklich zu sagen, aber die Personen über mir sind an meiner Stelle verbrannt.» Marc erlitt Verbrennungen zweiten Grades im Gesicht, Nacken und Ohren sowie dritte Grade an der rechten Hand. Eine Hauttransplantation wurde in Sitten durchgeführt. Er besucht nun regelmäßig Ergotherapie-Sitzungen im Spital von Siders. «In der ersten Woche hatte ich mehrere Operationen. Die Schmerzen während der Transplantation waren schlimmer als das Feuer selbst», so Marc. Viele Verletzte wurden in spezialisierte Zentren für Schwerbrandverletzte gebracht, darunter das Universitätsspital (CHUV) in Lausanne. Frida Rizzati, Ärztin der pädiatrischen Intensivstation des CHUV, erinnert sich: «In jener Nacht meldete man ein Grossereignis ohne genaue Anzahl der Patienten. 22 instabile Patienten kamen an und benötigten sofortige Behandlung.» Um die Erwartungen schwerer verletzter Jugendlicher zu verdeutlichen, sprach RSI mit Bertrand Galley, einem sechsjährigen Überlebenden schwerverbrannter Verbrennungen. Mit 75 Prozent Körperoberfläche verbrannt kam er ins CHUV, hatte nur eine 15-prozentige Überlebenschance und verbrachte fast viereinhalb Monate auf der Intensivstation im künstlichen Koma. Er musste sich 41 chirurgischen Eingriffen unterziehen. «Der schlimmste Moment war das Aufwachen aus dem Koma, als ich mich zum ersten Mal im Spiegel sah», erinnert sich Bertrand. «Ich weinte. Es ist wirklich schwer zu akzeptieren. Für jene mit Gesichtsverbrennungen wird es noch schwieriger sein.» Das psychische Trauma wiegt schwer. Auch Marc wurde posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert: «Bei mir bleibt der Geruch von Brandgeruch. Ich höre Sirenen, auch wenn keine da sind.» Nach dem Überlebenskampf beginnt die Rehabilitation. Schwerbrandverletzte müssen sich bemühen, verlorene Körperfunktionen zurückzugewinnen. Der Heilungsprozess dauert 12 bis 24 Monate. Marc trägt einen Kompressionshandschuh an der Hand: «Am Anfang dachte ich: In zwei Wochen kehre ich zur Arbeit zurück. Ich war mir dessen nicht bewusst. Trotzdem bleibt Wut: Warum ausgerechnet ich?»