Gertrude Stein, eine prägende Figur der literarischen Moderne und begabte Kunstsammlerin, wird in Deborah Levys neuem Buch als einzigartige Persönlichkeit porträtiert. Levy, die sich für Momente der persönlichen Neuerfindung interessiert, widmet Stein ein fesselndes Werk. Im Gespräch aus ihrer Londoner Wohnung beschreibt Levy Steins Leben und Schaffen: eine Frau, die den Konventionen ihrer Zeit trotzte, indem sie als öffentliche Intellektuelle lebte und ihr Leben intensiv genoss.
Levy, deren Bücher oft von mächtigen Frauenfiguren bevölkert sind, beschreibt Steins literarische Errungenschaften trotz der Herausforderungen ihrer Zeit. Stein erfand sich nach ihrem Umzug nach Paris neu, wo sie eine zentrale Figur im künstlerischen Milieu wurde. Levy betont die Bedeutung von Steins Leben und Werk in einer Ära zunehmender Ungleichheit.
In “Mein Jahr in Paris mit Gertrude Stein” beschreibt Levy ein Jahr der Recherche über Stein, wobei sie ihre Biografie durch eine Mischung aus Essayistik und Fiktion erzählt. Die Erzählung spielt im heutigen Paris und folgt drei Frauenfreundschaften, die sich mit Steins Leben auseinandersetzen.
Stein, 1874 in Pennsylvania geboren, wandte sich von der Medizin ab, um ihre kreative Laufbahn zu verfolgen. Ihre Wohnung in Montparnasse wurde zum Treffpunkt für Künstler wie Picasso und Hemingway. Trotz Ablehnungen durch Verlage blieb Stein ihrer experimentellen Schreibweise treu.
Levy hebt Steins Beziehung zu Alice B. Toklas hervor, die gemeinsam mit ihr ein erfülltes Leben führten. Während der deutschen Besetzung Frankreichs verblieben Steins Sammlungen weitgehend unangetastet, was auf ihre komplexen Beziehungen zurückzuführen sein könnte.
Deborah Levy stellt mit ihrem Buch die Frage nach dem Verständnis von Steins Leben und Werk und ob ihre literarischen Experimente der Realität näher sind, als es scheint. “Mein Jahr in Paris mit Gertrude Stein” erscheint im Juli 2026 auf Deutsch.