Eine beispiellose Flucht aus dem traditionsreichen Pariser Verlagshaus Grasset hat prominente Autoren wie Virginie Despentes und Bernard-Henri Lévy alarmiert. Der Grund für diese Massenabwanderung: der rechte Multimilliardär Vincent Bolloré.
Wie das Nachrichtenmagazin «Le Monde» berichtet, haben sich 170 Autoren von Grasset getrennt, darunter bekannte Namen wie Frédéric Beigbeder, Laurent Binet und Sorj Chalandon. In einem offenen Brief mit anfänglich 115 Unterschriften beklagen sie: «Wir wollen keine Geiseln in einem ideologischen Krieg sein, der Autoritarismus in Kunst und Medien verbreiten will.» Weitere Schriftsteller schlossen sich später an.
Die Fluchtgründe liegen im Rücktritt von Olivier Nora, dem ehemaligen Verlagsleiter, der seit 26 Jahren die intellektuelle Offenheit des Hauses gewahrt hatte. Unter Vincent Bolloré, der seit 2023 Einfluss auf den Verlag nimmt, ändert sich das Programm zunehmend politisch.
Der aus der Bretagne stammende Bolloré ist bekannt für seine Unterstützung extrem rechter Positionen und sein autoritäres Vorgehen, was von Autoren als Bedrohung ihrer geistigen Unabhängigkeit gesehen wird. In seinen Medienkanälen erhält die extreme Rechte überproportional viel Raum.
Der rechtsextreme Politiker Éric Zemmour fand bei Bolloré seine neue publizistische Heimat, und auch andere Verlage wie Fayard erleben ähnliche Konflikte. Sophie de Closets wurde durch Lise Boëll ersetzt, was zu weiteren Autorentrennungen führte.
Vincent Bolloré, der mit seinem Einfluss auf die französische Politik abzielt, hat die kulturelle Landschaft durcheinandergebracht. Der Streit um Boualem Sansal und seinen neuen Vertrag bei Grasset zeigt die Spannungen innerhalb des Verlags.
Staatspräsident Emmanuel Macron warnte beim Festival du Livre in Paris vor der Gefährdung der Autorenfreiheit durch solche Entwicklungen. Die Zukunft eines bedeutenden französischen Verlagshauses steht nun auf dem Spiel.