Ein Mitarbeiter des Bundesamts für Polizei (Fedpol) ist als «Maulwurf» enttarnt worden, nachdem er Informationen an eine im Drogenhandel aktive Mafia-Gruppierung verkauft hatte. Dies teilte das Fedpol kürzlich mit. Die frühere Staatsanwältin und jetzige Anwältin Rosa Maria Cappa warnte bereits davor, dass die Mafia gezielt Schwachstellen in Polizei- und Justizbehörden sucht, um diese zu unterwandern.
Cappa, ehemals als Bundesstaatsanwältin gegen Mafias aktiv und heute für Aequitas in Lugano tätig, betont die Notwendigkeit verstärkter rechtlicher Mittel im Kampf gegen Mafia-Gruppierungen. Sie ist nicht überrascht über den aktuellen Fall, da es schon lange Hinweise auf Infiltrationsversuche gab.
Europäische Polizeibehörden unter Europol stießen 2021 beim Knacken des verschlüsselten Chatprogramms Sky ECC auf Chats, in denen Kriminelle die Beeinflussung der Schweizer Justiz diskutierten. Fälle von korrupten Polizisten sind bereits in Genf und dem Wallis bekannt.
Cappa beschreibt, dass Mafia-Gruppierungen versuchen, durch «Maulwürfe» an sensible Informationen des Fedpol zu gelangen, um so deren internationale Ermittlungsarbeit zu antizipieren. Sie suchen gezielt Personen mit persönlichen Schwachstellen aus.
Die Unterschätzung der Mafia kann dazu führen, dass Polizisten glauben, alleine gegen sie nichts ändern zu können und sich daher korrupten Einflüssen hingeben. Der Kampf gegen die Mafia erfordert laut Cappa eine Kultur des Bewusstseins und ständige Aufklärung.
Cappa geht davon aus, dass es weitere unentdeckte «Maulwürfe» gibt, nicht nur in der Polizei, sondern möglicherweise auch bei Magistraten oder Politikern. Um sich zu schützen, sollte die Ausbildung der Polizei verstärkt und interne Kontrollen ausgebaut werden.
Polizisten mit Migrationshintergrund könnten im Kampf gegen die Mafia einen Vorteil darstellen, sofern sie adäquat eingesetzt werden. Sensibilisierung und Aufklärung sind unabhängig von der Herkunft entscheidend.
Das Gespräch führte Dominik Meier.