Treorchy, ein Dorf im Rhondda-Tal im Südwesten von Wales, ist bekannt für seine Kohlegruben bis in die 1970er Jahre hinein. Diese Minen bildeten auch den Kern der Labour-Parteibasis, da sich Bergarbeiter mit der Partei identifizierten, welche sich für ihre Interessen einsetzte.
Die Verbindung von walisischem Nationalstolz und linker Politik ist tief verwurzelt, wie Jac Larner, ein Politologe der Universität Cardiff, feststellt: «Der mögliche schlechte Ausgang für Labour bei den Wahlen beeinflusst stark das Selbstverständnis vieler Waliser.»
Die neuesten Umfragen deuten darauf hin, dass die Partei von Premierminister Keir Starmer in Wales zahlreiche Sitze verlieren könnte – ein Gewinn für Nigel Farages Rechtspopulisten und die walisische Nationalpartei Plaid Cymru.
Sera Evans, Mitglied der lokalen Ratsversammlung in Treorchy, kandidiert nun für das walisische Parlament, den Senedd. Seit ihrer Gründung im Jahr 1925 setzt sich Plaid Cymru für die walisische Sprache und Kultur ein, mit dem Ziel der nationalen Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich, eine Forderung, die nur von einer Minderheit unterstützt wird.
Politikerinnen wie Evans heben hervor, dass andere Themen vorrangig sind: mehr Autonomie und finanzielle Mittel aus London sowie erweiterte Kompetenzen im Polizeiwesen. Lokal beschäftigt das Thema häufiger Überschwemmungen in Treorchy.
Ann Washington, deren Vater Bergarbeiter war und die sich als Sozialistin bezeichnet, wechselt ihre Wahl von Labour zu Plaid Cymru: «Labour hat sich politisch zu weit nach rechts bewegt. Die Partei repräsentiert nicht mehr die Arbeiterklasse.»
Sera Evans und ihr Team profitieren von der Enttäuschung über Labour und positionieren sich als Gegenpol zu den Rechtspopulisten um Nigel Farage.
Ebenso verliert Reform UK Stimmen von enttäuschten Labour-Wählern, wie Paul Davies berichtet: «Obwohl ich arbeite, kämpfe ich finanziell. Ich gebe der Partei eine Chance, auch wenn ich Farage nicht mag.»
Umfragen zeigen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Reform UK und Plaid Cymru.
Jac Larner erklärt, dass viele Waliser taktisch für die Nationalpartei stimmen würden, um Reform UK zu stoppen – was Labour große Verluste bescheren könnte. Labour dominierte jahrzehntelang die walisische Politik und stellt derzeit die Regierungschefin Eluned Morgan.
Sollte Labour massiv Stimmen verlieren, würde das nicht nur einen regionalen Machtwechsel bedeuten, sondern auch einen historischen Bruch – ein empfindlicher Schlag für Keir Starmer weit über Wales hinaus.