Normalerweise zieht ein Land den Botschafter eines anderen bei diplomatischen Missständen zur Verantwortung. Nach der verheerenden Brandkatastrophe in Crans-Montana hätte Italien seinen Schweizer Botschafter zitieren können, entschied sich jedoch für eine härtere Massnahme und rief Gian Lorenzo Cornado aus Bern ab. Eine vergleichbare diplomatische Krise zwischen den beiden Ländern ist selten so gravierend gewesen.
Giorgia Meloni, Italiens Premierministerin, erklärte damals, dass der italienische Botschafter erst zurückkehren würde, wenn ein gemeinsames Ermittlungsteam zwischen der Schweiz und Italien eingerichtet sei. Trotz fehlendem solchen Team fanden nun Treffen statt, bei denen sich die Justizbehörden beider Länder austauschten und positiv bewerteten. Dies führte zur Entscheidung Roms, den Botschafter wieder zu entsenden.
Die Nachricht der Regierung wurde kurz vor Karfreitag veröffentlicht und damit in den Feiertagsrhythmus eingebettet. Ab Montag ist Cornado in Bern erwartet. Doch die Frage, ob alles ausgestanden ist, bleibt offen. Der Brand mit seinen vielen Todesopfern beschäftigt Italien weiterhin.
Die staatliche Rundfunkanstalt Rai widmete dem Unglück zu Karfreitag eine Sondersendung zur besten Sendezeit. Dies deutet darauf hin, dass das Thema in Italien weiterhin stark diskutiert wird. Viele Fragen bleiben offen: Wie hoch sind die Entschädigungen für die Opfer? Wer trägt die Verantwortung und welche Strafen werden verhängt?
In der italienischen Öffentlichkeit kursieren Antworten, die sich von den schweizerischen unterscheiden könnten. Dies könnte weitere Spannungen nach sich ziehen. Dennoch signalisiert die Rückkehr des Botschafters eine Entspannung im Konflikt.