Neben Benzin und Heizöl erleben auch Verpackungs-, Pharma- und Düngemittelbranche in der Schweiz zunehmend Probleme durch den Iran-Konflikt. Mit dem teilweisen Ende der Blockade der Straße von Hormus wird vor allem die Rolle von Ölpreisen, Treibstoff und Energieversorgung diskutiert. Doch die Konsequenzen gehen weit darüber hinaus: Ein beträchtlicher Anteil von Öl und Gas dient nicht nur als Brennstoff, sondern auch als Rohmaterial für Kunststoffverpackungen, Düngemittel und Arzneimittel.
Steigende Rohstoffkosten und Störungen in den Lieferketten führen zu Preiserhöhungen und Engpässen. Welche Produkte neben Kraftstoff betroffen sein könnten und wo Verzögerungen drohen, beleuchtet Nau.ch unter Einbeziehung von Experten aus drei besonders vulnerablen Branchen.
Der Schweizer Kunststoffverband Swiss berichtet, dass fast 99 Prozent der weltweit produzierten Kunststoffe auf fossilen Brennstoffen basieren. “Verschiedene Kunststoffsorten sind bereits schwerer zu beschaffen”, erklärt Sprecherin Debora Rondinelli gegenüber Nau.ch und erwähnt Probleme in den Logistikketten.
Im März warnte der Verband, dass die Blockade der Straße von Hormus, durch die etwa 20 Prozent der globalen Rohöl- und Flüssigerdgasverschiffungen laufen, für die Kunststoffindustrie “sehr kritisch” sei. Diese Rohstoffe sind entscheidend für die Polymerproduktion in Europa. Die Preise für Produkte wie Polyethylen, das in Verpackungen und Bauanwendungen verwendet wird, haben sich bereits verdoppelt.
Professor Patrick Penfield von der Syracuse University warnte vor CNN, dass Artikel wie Einwegbesteck, Flaschen und Müllsäcke bald teurer werden könnten. Innerhalb von zwei bis vier Monaten könnten die höheren Verpackungskosten auch die Preise für Lebensmittel steigen lassen.
Die Pharmabranche in der Schweiz ist ebenfalls abhängig vom Ausland, da viele Wirkstoffe und Hilfsstoffe in Asien hergestellt werden. Obwohl aktuell keine direkten Versorgungsengpässe gemeldet wurden, könnten höhere Herstell- und Transportkosten die Produktion von Nischenprodukten wie Kindermedikamenten oder Impfstoffen unter Druck setzen.
Auch bei Düngemitteln spielt Erdgas eine zentrale Rolle. Geschäftsführer Bänz Keller vom Anbieter Landor erläutert, dass Energiekosten bis zu 80 Prozent der Produktionskosten ausmachen und sich die Preise für Stickstoffdünger in Europa bereits erhöht haben.
Die Schweiz profitiert von einem effizienten Beschaffungssystem: Ein Großteil des Düngers wurde im letzten Herbst vorgezogen, was die Landwirte vor kurzfristigen Preisschwankungen schützt. Dennoch könnte ein lang anhaltender Konflikt zu höheren Konsumentenpreisen führen.