Giorgia Meloni aus Italien, Keir Starmer aus Großbritannien und Friedrich Merz aus Deutschland hatten einst versucht, Donald Trumps Gunst zu gewinnen. Nun üben sie scharfe Kritik an ihm. Ihre Wahrnehmung: Trump wirkt auf viele Wähler als toxisch.
Die Reaktionen von Trump zeigen sich deutlich: Nachdem Meloni seine verbalen Attacken gegen den Papst als “inakzeptabel” bezeichnete, konterte Trump mit Kritik an ihrem Mut und ihrer Unterstützung bei der Öffnung der Strasse von Hormuz.
Auch Merz bemängelte die mangelhafte Vorbereitung der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Starmer kritisierte Trumps Druck auf Großbritannien, in einen Krieg gegen Iran einzutreten, wobei seine Finanzministerin Rachel Reeves den Krieg als “Torheit” bezeichnete.
Dieser Wandel zur Konfrontation überrascht anfangs. Nicht lange her scheinen die Erinnerungen daran zurückzukommen, wie Meloni, Starmer und Merz versuchten, Trump im Oval Office zu gefallen. Doch nun zeigt sich ein neues europäisches Selbstbewusstsein.
Es gibt Gründe für diese Veränderung: Trump wirkt geschwächt; der Supreme Court hat seine Zollpolitik gebremst, und die Mullahs haben ihn in eine diplomatische Sackgasse um Hormuz gebracht. Die steigenden Ölpreise gefährden zudem die Wahlchancen der Republikaner.
Ein entscheidender Faktor sind jedoch europäische Innenpolitikfragen: Laut Umfragen stehen in Italien, Frankreich und Großbritannien über zwei Drittel der Bevölkerung dem Iran-Krieg skeptisch gegenüber. Viele befürchten wirtschaftliche Folgen des Krieges und haben eine negative Meinung von Trump.
Starmer hat durch die Aufkündigung seiner Nibelungentreue zu Trump in Großbritannien an Popularität gewonnen. Meloni erhofft sich aus Italien, durch den Konflikt mit Trump ihre Beliebtheit wiederzuerlangen. In Ungarn war Vizepräsident J. D. Vances Wahlkampfhilfe für Orban wirkungslos und kostete ihm möglicherweise Stimmen.
Trump gilt in Europa vielen Wählern als toxisch, weshalb auch rechtsnational eingestellte Politiker Abstand nehmen. Alice Weidel hat ihre AfD-Mitglieder angewiesen, Treffen mit Maga-Anhängern zu minimieren. Marine Le Pen kritisierte Trumps “erratische Kriegsziele” in Iran, und Nigel Farage betonte, er sei nicht mehr mit Trump in Kontakt.
Trotz des neuen Selbstbewusstseins sollten Europäer vorsichtig bleiben: Realpolitische Abhängigkeiten bestehen weiterhin. Europa bleibt auf amerikanische Öl- und Gasimporte angewiesen und kann die Ukraine ohne USA nicht unterstützen. Langfristig ist das strategische Interesse, eine transatlantische Partnerschaft zu erhalten.