Eine aktuelle Studie hat sich intensiv mit Säugetieren beschäftigt, wobei ein Viertel dieser Arten in weltweiten Handelsnetzwerken verbreitet ist. Diese werden als Haustiere gehandelt, als Jagdtrophäen genutzt, in der traditionellen Medizin eingesetzt oder für Forschungszwecke und aufgrund ihres Fleisches oder Fells getötet.
Jérôme Gippet, Autor der Studie, betont: «Dieser Handel steigert das Übertragungsrisiko von Krankheitserregern zwischen Wildtieren und Menschen erheblich.» Je intensiver eine Art gehandelt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion des Menschen.
Das Forschungsteam um Professorin Cleo Bertelsmeier vom Departement für Ökologie und Evolution der Universität Lausanne hat gemeinsam mit US-amerikanischen Experten Daten aus vier Jahrzehnten analysiert, die sich auf legale und illegale Handelsgeschäfte mit Wildtieren beziehen. Die Ergebnisse zeigen, dass gehandelte Säugetierarten eine um 50 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit haben, mindestens ein Virus, Bakterium, Pilz oder Parasit an Menschen weiterzugeben. Dieses Risiko nimmt zu, wenn die Arten auch illegal gehandelt werden.
«Wir konzentrieren uns nicht auf die Anzahl der Tiere am Markt, sondern darauf, wie viele Jahre eine Art in den vergangenen vier Jahrzehnten international gehandelt wurde», erläutert Gippet. Dabei könnten es sowohl Wildtiere als auch gezüchtete Exemplare sein.
Die Studie ergab zudem, dass wild lebende Säugetiere mit jeder Dekade Marktpräsenz einen zusätzlichen Krankheitserreger teilen. «Das unterstreicht die Bedeutung der Kontaktanzahl», so der Forscher. Diese Erkenntnis könnte schwerwiegende öffentliche Gesundheitsfolgen nach sich ziehen.
Die Universität Lausanne weist darauf hin, dass solche Übertragungen von Krankheitserregern zwischen Wildtieren und Menschen Epidemien oder gar Pandemien auslösen könnten. Ein Beispiel ist der Ausbruch der Affenpocken in den USA im Jahr 2003, verursacht durch Präriehunde, die als Haustiere verkauft wurden.
Um das Risiko der globalen Verbreitung von Infektionskrankheiten zu minimieren, sollte die Anzahl dieser Kontakte reduziert werden. Das internationale Abkommen CITES zum Wildtierhandel berücksichtigt jedoch bislang nicht dieses Gesundheitsrisiko.
CITES zielt laut Jérôme Gippet primär darauf ab, durch Handel bedrohte Arten vor dem Aussterben zu schützen. Doch aus seiner Sicht sind vergleichbare Regulierungsmechanismen für andere Risiken – insbesondere biologische Invasionen und Krankheitserreger – erforderlich.