In einem historischen Ereignis seit zehn Jahren trafen sich Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping mit der Vorsitzenden der größten taiwanischen Oppositionspartei, Cheng Li-wun, in Peking. Das Gespräch fand am Morgen in der Großen Halle des Volkes statt und signalisiert eine Reaktion auf die aktuell angespannte Lage.
Xi Jinping unterstrich das Prinzip von “Ein China” während des Dialogs. Er betonte, dass Menschen auf beiden Seiten der Taiwanstraße Chinesen seien und eine Familie bildeten, wobei er Unabhängigkeitsbestrebungen für die Insel entschieden ablehnte. Xi forderte die Zusammenarbeit zwischen der KMT und der Kommunistischen Partei zur Wiedervereinigung des Landes, da Unabhängigkeitsbewegungen den Frieden in der Meerenge gefährden würden: “Wir werden dies absolut nicht tolerieren oder dulden.” Die Kuomintang regierte einst ganz China, floh jedoch 1949 nach dem Bürgerkrieg gegen die Kommunisten unter Mao Zedong nach Taiwan. Ein formeller Friedensvertrag fehlt bis heute zwischen beiden Regierungen.
Die USA sind Taiwans Hauptunterstützer und Waffenlieferant, obwohl es keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu Washington gibt. Peking hat die Vereinigten Staaten mehrfach aufgefordert, ihre Rüstungslieferungen an Taiwan einzustellen.
Obgleich China den Austausch mit Taiwan fördern will, steht es einer unabhängigen taiwanischen Regierung weiterhin ablehnend gegenüber. Cheng Li-wun kündigte während ihrer “Friedensmission” in der Volksrepublik gegenseitige Beziehungen an und lud Xi nach Taiwan ein. Sie warnte davor, die Taiwanstraße zu einem Schauplatz externen Eingriffs werden zu lassen.
Peking beansprucht Taiwan als sein Territorium und hat den militärischen Druck zuletzt erhöht. Obwohl Taiwan eine unabhängige demokratische Regierung besitzt, sieht Peking die Insel als integralen Bestandteil Chinas. Die chinesische Führung lehnt den Dialog mit dem taiwanischen Präsidenten Lai Ching-te ab, den sie als “Separatisten” bezeichnet. Vor Chengs Reise hatte Lais Regierung sie aufgefordert, China zur Beendigung militärischer Drohungen zu bewegen.
Chengs sechstägige Reise durch Shanghai, Nanjing und Peking stößt auf Kritik wegen ihrer Nähe zu China. Taiwans Vize-Außenminister Chen Ming-chi erinnerte Cheng daran, dass Taiwan nicht untergeordnet sei. Die regierende DPP kritisierte die Reise als von der Kommunistischen Partei kontrolliert und bezeichnete Peking als Hauptverantwortlichen für den regionalen Friedensbruch, da China Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe um Taiwan entsandt.
SRF 4 News, 10.4.2026, 8:30 Uhr