Der Mangel an Hausärzten verschärft sich landesweit, wie der Kanton Luzern bestätigt. Längst sind nicht nur ländliche Gebiete betroffen. Der Fall Udligenswil verdeutlicht das Problem: Die Gemeinde musste aktiv werden, um die hausärztliche Versorgung zu gewährleisten (zentralplus berichtete). Die Ärztegesellschaft des Kantons Luzern hebt hervor, dass der Fachkräftemangel in der Hausarztmedizin, Pädiatrie sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie bereits heute eine Unterversorgung verursacht. In den kommenden Jahren wird sich dieser Mangel auch auf andere medizinische Bereiche ausweiten – nicht nur ländliche Regionen, sondern auch Agglomerationen und Städte sind betroffen.
Liridona Zeka von der Ärztegesellschaft erklärt: “Wir beobachten seit langem einen Fachkräftemangel in verschiedenen medizinischen Bereichen.
Eine Verbesserung ist nicht absehbar.” Viele Hausärztinnen und -ärzte stehen kurz vor dem Ruhestand, während zu wenige Studienplätze zur Neuaufnahme vergeben werden. Auch veränderte Arbeitsmodelle mit vermehrter Teilzeittätigkeit und ein gesteigerter Bedarf durch eine alternde Bevölkerung tragen dazu bei.
Die Ärztegesellschaft bemerkt zudem, dass Patienten häufiger ärztliche Leistungen beanspruchen, auch für Bagatellfälle. In Luzern verschärft der niedrige Taxpunktwert die Problematik, da ärztliche Leistungen vergleichsweise schlecht entlohnt werden.
Trotz genereller Zunahme von Ärzten bleibt der Mangel bestehen. Der Kanton Luzern setzt auf einen neuen Aktionsplan “Integrierte Gesundheitsversorgung Luzern (IGeL)”, um strukturelle Veränderungen zu fördern und neue Versorgungsmodelle einzuführen. Ein Fokus liegt dabei auf dem Ausbau von Gesundheitszentren und -netzwerken sowie der Förderung von Bildungsprogrammen.
Per Ende 2025 waren im Kanton Luzern 544 Hausärzte tätig, ein Zuwachs um etwa 33 Prozent seit 2015. Dies ist unter anderem auf das Praxisassistenzprogramm zurückzuführen, in das jährlich rund eine Million Franken investiert wird. Der Kanton hat jedoch keine systematische Übersicht darüber, wie häufig Hausarztpraxen ohne Nachfolger bleiben.
Versorgungsengpässe werden oft erst spät sichtbar, wenn Gemeinden selbst eingreifen müssen. Das Luzerner Gesundheitsdepartement räumt ein, dass nicht jede Gemeinde eine eigene Hausarztpraxis haben wird und der Trend zu überregionalen Gesundheitszentren geht.
Die Initiative von Udligenswil wird sowohl vom Kanton als auch von der Ärztegesellschaft positiv bewertet. Sie dient als Beispiel für die Notwendigkeit, die medizinische Versorgung grundlegend umzustrukturieren und die Standortattraktivität zu fördern.