Ab dem 8. Mai 2026 wird Instagram die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für private Chats entfernen, wie das Unternehmen auf einer Support-Seite bekannt gab. Damit werden verschlüsselte Nachrichten nicht mehr zugänglich sein. Diese Entscheidung ist umso überraschender, da Meta diese Verschlüsselungsmaßnahme lange als zentralen Bestandteil ihrer Messaging-Strategie beworben hat.
Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung stellt sicher, dass Nachrichteninhalte nur vom Sender und Empfänger eingesehen werden können. Selbst der übertragende Dienstleister erhält keinen Zugriff auf die Inhalte. Technologieexperte Bruno Giussani warnt in einem Interview mit RSI davor, dass Meta bereits heute Metadaten wie Absender, Empfänger und Zeitpunkt sammelt und künftig auch den tatsächlichen Nachrichtentext einsehen könnte.
Giussani erklärt: “Durch die Aufhebung der Verschlüsselung werden die Inhalte lesbar für Meta. Dies ermöglicht es dem Unternehmen, beispielsweise KI-Systeme zu trainieren oder gezielte Werbebotschaften einzufügen, die zum Gesprächsthema passen.”
Während Instagram diese Verschlüsselung abschafft, behält WhatsApp, ebenfalls ein Meta-Dienst, sie vorerst bei. Doch der Schritt von Instagram lässt Zweifel an der Zukunftsaussicht für WhatsApp aufkommen, eine Plattform, die Millionen weltweit nutzen.
Giussani hebt hervor: “WhatsApp bildet eine zentrale Infrastruktur unserer sozialen Interaktionen.” Die Kontrolle über eine solch wichtige Kommunikationsplattform durch ein privates Unternehmen sei problematisch. Meta habe sich in der Vergangenheit als wenig vertrauenswürdig erwiesen, warnt er.
Soziale Medien sind fest im Alltag etabliert, doch wächst die Besorgnis über ihre Auswirkungen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Eine Umfrage von “gfs.bern” im Auftrag der Stiftung Mercator Schweiz zeigt, dass 94 Prozent der Befragten mehr Schutz für Minderjährige vor den negativen Effekten sozialer Medien fordern.
Die Skepsis gegenüber großen Technologiekonzernen wie Meta, Google oder TikTok nimmt zu. Laut der Umfrage sind 90 Prozent überzeugt, dass diese Unternehmen primär profitorientiert handeln. Zudem befürchten 82 Prozent eine Überabhängigkeit der Schweiz von internationalen Tech-Giganten.