KKS ist ein Kürzel, das viele sofort mit Karin Keller-Sutter verbinden. Doch neulich musste sie jemandem auf der Strasse korrigieren: “Ich glaube, Sie verwechseln mich”, entgegnete die Bundesrätin einem Fremden, der um ein Selfie bat.
Auch als Magistratin schätzt Keller-Sutter Momente der Anonymität. So ist sie erleichtert, wenn ihr beim Abholen eines zurückgelassenen Einkaufs im Laden nach ihrem Namen gefragt wird.
In den Ferien bleibt die ehemalige Finanzministerin ihren Pflichten treu: Sie kommuniziert täglich mit ihrem Team, liest Zeitungen und beantwortet Mails. Auch wenn es “strub” ist, kann sie nie wirklich abschalten. Keller-Sutter erinnert sich an ein Zitat von Didier Burkhalter, der sagte: “Man ist immer Bundesrat – das ist wie eine zweite Haut.” Sie akzeptiert, dass auch in den Ferien keine Ruhe aufkommt und sieht darin eine Wertschätzung gegenüber ihren Mitarbeitenden.
Die wenigen ruhigen Minuten nutzt sie gern fürs Lesen oder um draussen zu sein – am Meer oder anderswo. Auf der Skipiste trifft man sie nicht an, wie sie lachend sagt – ein Hinweis auf den besten Skifahrer der Welt, Marco Odermatt.
Stattdessen boxt die 62-Jährige jeden Montag im Boxkeller. “Einfach hinstehen geht nicht”, betont Keller-Sutter über das Trainieren von Schlagkombinationen mit ihrem Coach. Man müsse sowohl offensiv als auch defensiv denken, um den Gegner zu kontrollieren und zum richtigen Zeitpunkt zuzuschlagen.
“Boxen ist mehr als nur ‹schlegeln›”, erklärt sie. Die Sportart fordert Koordination und Disziplin. Man dürfe nicht ständig angreifen, sonst sei man schnell erschöpft. Diese Momente im Boxkeller helfen ihr dabei, abzuschalten.
In der Politik setzt Keller-Sutter ihre Fäuste nur geistig ein, sagt sie lachend.
Bereits 2012 sprach sie in der Sendung “Persönlich” über ihren politischen Werdegang: Sie sei kandidiert und nicht gewählt worden. Damals schloss sie eine erneute Kandidatur aus. Doch als Johann Schneider-Ammann zurücktrat, rieten ihr viele, wieder anzutreten – auch ihr Mann.
Schliesslich wurde Karin Keller-Sutter 2018 in den Bundesrat gewählt und erhielt die Unterstützung ihres Ehemannes bis heute.
Besonders anspruchsvoll war für sie das Präsidialjahr 2025, geprägt von Gesprächen mit Donald Trump über Zölle und hitzigen Diskussionen um ein Entlastungspaket. Der Verlust ihres ältesten Bruders im Herbst verstärkte die Herausforderungen.
Sie habe gelernt, mental stark zu sein: “Ich kann mich relativ schnell wieder motivieren und Abstand gewinnen.” Das Leben lehre einen, was wirklich wichtig ist – Beziehungen, Austausch und Liebe. Der Tod ihres Bruders habe vieles relativiert.
Obwohl sie im vergangenen Jahr viele Herausforderungen meisterte, gab es auch schöne Momente: “Das Schönste war die Begegnung mit dem Papst.” Die aktuelle Weltlage wird sicherlich neue Aufgaben für Keller-Sutter bereithalten. Doch sie scheint gerüstet zu sein.
“Persönlich” ist eine Live-Radio-Talksendung auf SRF 1, die jede Woche über 400’000 Hörer erreicht und in der Menschen über ihr Leben sprechen.