Der Schweizer Extrembergsteiger Karl Egloff strebt nach dem Geschwindigkeitsrekord am höchsten Berg der Welt. Nach einem missglückten Versuch und einer Auseinandersetzung mit einem Netflix-Projekt nimmt er nun den letzten Anlauf, seinen seit Kindheit bestehenden Traum zu verwirklichen.
Egloff kämpft mit seinem inneren Schweinehund: “Ich setze mich täglich damit auseinander”, erklärt der 45-Jährige. Im Extrembergsteigen erfordert es die Hälfte des Erfolgs, mentale Stärke zu zeigen. Obwohl er sich auf den Gipfeltag freut, ist ihm das Training zur Vorbereitung ein Graus. Monatelange intensive Übungen, ohne Ruhepausen, sind für ihn unerlässlich.
Egloff verfolgt einen ehrgeizigen Plan: Er will alle Seven Summits in Rekordzeit erklimmen – eine Leistung, die im modernen Alpinismus immer mehr an Bedeutung gewinnt. Der Schweizer hält bereits den FKT-Rekord auf vier der sieben Gipfel: Kilimanjaro (Afrika), Elbrus (Europa) sowie Aconcagua und Denali (Süd- und Nordamerika).
2022 bestieg er zudem in 25 Stunden und 48 Minuten den Makalu, einen 8485 Meter hohen Berg. Ihm fehlen noch drei Gipfel zum Erfolg: der Mount Vinson in der Antarktis, die Carstensz-Pyramide in Ozeanien und der Mount Everest, der höchste Punkt der Welt. Diese drei Berge möchte er dieses Jahr hintereinander bezwingen, beginnend mit dem Everest – ein Projekt, an dem er seit Jahren arbeitet.
Der Everest bereitet ihm die größten Sorgen: “Dort habe ich vieles nicht in der Hand”, sagt Egloff. 2025 hatte er einen Rekordversuch unternommen und im Nachhinein festgestellt, dass es keine Chance auf Erfolg gegeben hätte.
Egloff musste feststellen, dass seine Einschätzung zur Akklimatisierung falsch war: “Das war ein Fehlschluss.” Mangelnder Schlaf, Leistungseinbußen trotz intensiver Höhentrainings und die überfüllte Südroute des Everest stellten zusätzliche Hindernisse dar. Eine Besteigung ohne Flaschensauerstoff auf der ruhigeren Nordseite ist jedoch verboten – eine Bedingung, die Egloffs Stil entspricht.
Im Vorjahr begleitete eine Netflix-Filmcrew Egloff am Everest für einen Dokumentarfilm. Der Wettbewerbsdruck mit dem Amerikaner Tyler Andrews und viele Kameraleute führten zu Chaos. Dieses Jahr startet Andrews erneut parallel zum Rekordversuch, doch Egloff ist dank der Erfahrungen aus dem Vorjahr vorbereitet.
Letztlich zwang weder die Konkurrenz noch ein erschöpfter Körper zur Umkehr – das Wetter war ungünstig. 2025 verhinderte eine fehlende stabile Wetterperiode seinen Plan, und Egloff kehrte auf 7000 Metern um: “Es wird gefährlich bei nur 30 Prozent Chance auf ruhiges Wetter.
Egloffs Leben nahm 2022 einen dramatischen Wendepunkt: ein bewaffneter Überfall in Ecuador zwang ihn zur Rückkehr in die Schweiz, wo er nun seine Familie sicher weiß. Trotz der Enttäuschung über den gescheiterten Versuch stellte Egloff sich seiner Sinnfrage: Sollte er sich noch einmal der Todeszone aussetzen? Die Unterstützung seiner Frau und die Chance auf eine letzte Gelegenheit veranlassten ihn, es noch einmal zu probieren.
Er konzentriert sich nun vollständig auf das Training. Egloff absolviert täglich Halbmarathons oder längere Läufe, kombiniert mit intensiven Kraftübungen und Höhentraining bis in virtuelle 7000 Meter Höhe. Eine spezielle Ausrüstung ermöglicht es ihm, die Sauerstoffsättigung niedrig zu halten, was extreme Anstrengung erfordert.
Egloff plant den Everest-Angriff Ende Mai, im Schlussabschnitt der Besteigungssaison. Er ist sich auch des Risikos eines weiteren Scheiterns bewusst und bereitet sich auf einen regulären Aufstieg mit Seilschaft vor. Seit seiner Kindheit träumte er von diesem Berg – egal wie lange es dauert, Egloff wird ihn besteigen.