Der belgische Stadtkern Löwen wird zu einem zentralen Ort für die Entwicklung von Halbleitertechnologie, angetrieben durch eine erfolgreiche Kooperation europäischer Akteure. Ein Schlüssel zum Erfolg ist das Imec-Forschungsinstitut, das in enger Zusammenarbeit mit ASML aus den Niederlanden steht und Lithografie-Maschinen entwickelt, die für die Herstellung hochmoderner Chips unverzichtbar sind. Diese Partnerschaft hat Europa einen entscheidenden Vorsprung verschafft.
ASML produziert Maschinen, die ultraviolettes Licht mit extrem kurzer Wellenlänge (EUV) nutzen, um auf Halbleiter immer feinere Strukturen zu etablieren. Imec in Löwen fungiert als Teststätte für diese Technologien und zieht zahlreiche Akteure der Branche an: von Chipentwicklern wie Nvidia und AMD über Auftragsfertiger bis hin zu Startups und Universitäten. Luc Van den hove, der Leiter von Imec, sieht die Hauptaufgabe darin, die globale Halbleiterindustrie durch Vernetzung voranzutreiben.
Die Entwicklung neuer Chips erfordert immense Investitionen – eine Fabrik kostet zwischen 10 und 30 Milliarden Dollar. ASMLs fortschrittliche Maschinen sind dabei besonders teuer, wobei die modernsten bis zu 400 Millionen Euro kosten. Dieses finanzielle Engagement wird durch Kooperationen ermöglicht, um Risiken in der Produktionskette zu minimieren. Imec und ASML, beide 1984 gegründet, haben sich seitdem zu führenden Institutionen im Halbleitersektor entwickelt.
Die europäische Erfolgsgeschichte begann mit Van den hoves Erkenntnis während seiner Japanreise in den 1980er Jahren. Als junger Ingenieur erkannte er das Potential von ASML, einem damals jungen Unternehmen nahe Veldhoven, als Herausforderer der japanischen Marktführer Canon und Nikon.
Die Partnerschaft zwischen Imec und ASML hat sich zu einer europaweiten Erfolgsgeschichte entwickelt. Zeiss aus Deutschland liefert zudem optische Komponenten für die Chipfertigung, was den Erfolg dieses Trios unterstreicht. Während ASML den Markt dominiert, verschob sich der geopolitische Fokus: Der Konflikt zwischen China und USA um Unabhängigkeit in der Chipproduktion hat zu neuen politischen Dynamiken geführt.
Van den hove sieht trotz des zunehmenden Drucks auf globale Netzwerke die Notwendigkeit, dass gleichgesinnte Länder zusammenarbeiten. Er betont: «Niemand kann allein der Beste sein». Technologische Fortschritte in der Halbleiterbranche sind beeindruckend – von 3 Mikrometern Chipstrukturen im Jahr 1984 auf 3 Nanometer heute.
Für Van den hove steht fest, dass weitere Innovationen in der Automatisierung und künstlichen Intelligenz bevorstehen. Er appelliert an Europa, gesetzgeberische Hürden zu überwinden, um solche Technologien voll ausreifen lassen zu können. Nach seiner Zeit als CEO von Imec widmet sich Van den hove mehr seinem Hobby – dem Skifahren in den Bündner Bergen.