Eine zunehmende Menge an Kleinwaren aus China erreicht Europa, was zu Problemen mit nicht konformen und schädlichen Produkten führt. Die EU reagiert nun mit einer neuen Bearbeitungsgebühr für Pakete unter 150 Euro. Der Schweizer Detailhandelsverband ruft nach ähnlichen Massnahmen.
Pakete mit einem Wert bis zu 150 Euro sind in der EU zollfrei, eine Regelung, die die Zollbehörden entlasten sollte. Allerdings hat dies zur Folge, dass unzählige kleinere Sendungen aus China, vor allem von Firmen wie Temu, Shein und Aliexpress, den europäischen Markt überschwemmen. Im letzten Jahr wurden 5,8 Milliarden solcher Pakete registriert – viermal mehr als im Vorjahr.
Diese Entwicklung benachteiligt den traditionellen Einzelhandel, dessen Waren in Containern mit Zollgebühren bis zu zehn Prozent eingeführt werden. Im Gegensatz dazu entgehen Kleinsendungen diesen Kosten durch Aufsplitterung der Lieferungen.
Um dieser Situation entgegenzuwirken, plant die EU ab Juli eine Gebühr von drei Euro für Pakete unter 150 Euro. Diese Regelung bleibt bestehen bis zur Einführung einer zentralen IT-Plattform im Jahr 2028. Ab diesem Zeitpunkt wird jeder Warenimport regulär verzollt.
Vor einem Jahr kündigte die EU-Kommission eine Bearbeitungsgebühr an, deren Höhe zwischen drei und fünf Euro liegen soll. Diese Gebühr soll ab November gelten und Zollbehörden für ihre Arbeit entschädigen sowie zur besseren Kontrolle von Kleinwaren dienen.
Nicht selten verletzen chinesische Anbieter EU-Sicherheitsstandards, was zu gefälschten Produkten oder unsicheren Spielzeugen führt. Die Gebühr soll die Prüfung der Paketinhalte finanziell unterstützen. Andreas Schwab von CDU/CSU im EU-Parlament betont, dass diese Maßnahmen Schlupflöcher schließen, welche globale Giganten nutzen.
Obwohl weiterhin nur Stichprobenkontrollen stattfinden, erhofft sich die Kommission präzisere Kontrollmethoden durch verbesserte Datenerfassung. Insbesondere vor Feiertagen und Schulferien werden Produkte wie Spielzeug oder Schwimmhilfen gezielt überprüft.
Der Schweizer Detailhandelsverband fordert, dass die Schweiz diese Maßnahmen zeitgleich mit der EU einführt, um Logistikumleitungen zu verhindern. Patrick Erny, Direktor des Verbands, warnt, dass ohne entsprechende Regelungen die Schweiz zur Einfuhrdrehscheibe für Europa werden könnte.