Öffentliche Diskussionen über Depressionen durch bekannte Personen können hilfreich sein, indem sie Schamgefühle abbauen und anderen Mut machen. Mattea Meyer spricht offen darüber, professionelle Hilfe in Anspruch genommen zu haben. Sie betont, dass weder in der Politik noch im Alltag Perfektionismus gefordert ist, sondern mehr Geduld und Achtsamkeit gegenüber sich selbst. Doch Meyer geht über ihre persönlichen Erlebnisse hinaus. Bei ihrem Comeback nutzt sie diese Erfahrungen, um politische Forderungen zu stellen. Sie sieht es als Missstand an, dass Versicherungen und IV-Stellen bei finanziell schlechter gestellten Betroffenen genauere Prüfverfahren anwenden und dadurch Druck und Misstrauen erzeugen. Während ihrer fünfmonatigen Auszeit hat Meyer auch die mangelnde Verfügbarkeit von Psychotherapeuten als gravierendes Problem identifiziert. Sie sieht hierin «politisch riesigen Nachholbedarf». Weiterhin kritisiert sie die «gnadenlosen Leistungsgesellschaft», die alle zu Opfern mache, besonders Mütter. Obwohl ihr Engagement und ihre persönlichen Herausforderungen Anerkennung verdienen, eignet sich Mattea Meyer nicht als Fürsprecherin der Unterprivilegierten. Ihr Nationalratsmandat bringt ihr jährlich circa 130.000 Franken ein; zusätzlich verdient sie rund 40.000 Franken als Co-Präsidentin der SP. In Summe sind das etwa 13.000 Franken pro Monat bei dreizehn Gehaltszahlungen. Ihr Einkommen ist fast doppelt so hoch wie der Medianlohn in der Schweiz, was zwar nicht vor Depressionen schützt, aber das Leben einfacher planbar macht. Es wäre angebracht, wenn Meyer ihre persönlichen Probleme nicht als allgemeingültigen Massstab betrachtete. Viele Menschen mit deutlich größeren Herausforderungen – wie alleinerziehende Mütter, Familien mit geringem Einkommen oder geschundene Handwerker – kämpfen mit weit schwerwiegenderen Belastungen.