Argentinien startet einen zweiten Gerichtsprozess zum Tod des Fußballstars Diego Maradona. Das vorherige Verfahren scheiterte im vergangenen Jahr, als bekannt wurde, dass die Richterin heimlich Filmaufnahmen für eine Dokumentation genehmigt hatte.
Etwa ein Jahr nach dem gescheiterten Prozess versucht die Justiz erneut, die Schuldigen zu finden. Sieben Mitglieder des Ärzte- und Pflegeteams Maradonas müssen sich seit Anfang April wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Staatsanwalt Patricio Ferrari wirft ihnen vor, bei der Behandlung des Weltmeisters von 1986 unprofessionell vorgegangen zu sein und dadurch dessen Leben gefährdet zu haben.
Bis voraussichtlich Juli sollen 120 Zeugen gehört werden. Angeklagt sind Leopoldo Luque, Maradonas Leibarzt, die Psychiaterin Agustina Cosachov, der Psychologe Carlos Angel Díaz, der Arzt Pedro Di Spagna, die Ärztin Nancy Edith Forlini sowie die Krankenpfleger Ricardo Almirón und sein Chef Mariano Ariel Perroni. Ihnen drohen Haftstrafen zwischen 8 und 25 Jahren.
Die ebenfalls angeklagte Krankenpflegerin Dahiana Gisela Madrid erhielt eine separate Verhandlung vor einem anderen Schwurgericht, dessen Termin noch nicht festgelegt ist.
Genau jene Angeklagten stehen nun wieder in San Isidro vor Gericht. Der erste Prozess wurde nach zwei Monaten eingestellt, als die heimlichen Filmaufnahmen der Richterin Julieta Makintoch bekannt wurden, um eine Dokumentarreihe zu produzieren.
Maradona war durch seinen riskanten Lebensstil und Drogenexzesse berüchtigt. Er wurde 1994 an der WM in den USA wegen Ephedrin gesperrt und hatte zahlreiche persönliche Skandale.
In seinem letzten Lebensjahr litt Maradona unter schweren gesundheitlichen Problemen, er war stark abhängig von Alkohol und Medikamenten. Nach einer Notoperation wegen eines Blutgerinnsels wurde er in ein Haus nahe El Tigre gebracht, das nicht für seine Versorgung geeignet war.
Es wird angenommen, dass Maradona mehrere Stunden alleine mit dem Tod rang. Trotz der Behauptungen von Angehörigen und Mitarbeitern über ungewöhnliche Vorkommnisse wurde sein Tod offiziell als Herzstillstand und Lungenödem festgehalten.
Rumors über einen möglichen Mordfall verbreiteten sich rasch. So soll ein Streit zwischen Maradona und seinem Leibarzt Luque stattgefunden haben, wobei auch der Anwalt Matías Morla unter Verdacht steht, der die Markenrechte an Maradonas Namen besitzt.
Die Verteidigung der Angeklagten bestreitet jeden kriminellen Hintergrund. Der Prozess wird durch Aussagen von Maradonas Familie und deren Verdacht auf Versäumnisse des Arztenteams kompliziert. Die Tochter Giannina Maradona behauptet, dass ihr Vater trotz schlechtem Zustand nicht in ein Spital eingeliefert wurde, wie zugesichert.
Währenddessen ist die Bestattung von Maradonas Leiche unsicher; sie liegt auf einem Privatfriedhof und sollte ursprünglich umgebettet werden. Doch bis zum Abschluss der laufenden Prozesse dürfte dies nicht geschehen.