Um versprochene Reformen zu realisieren, muss die Regierung geschlossen auftreten. Doch aktuell eskaliert ein Streit zwischen dem Finanz- und Wirtschaftsministerium, bei dem Kompromisse kaum möglich scheinen. Bundeskanzler Friedrich Merz betont, dass Einigkeit entscheidend ist, um das Land wirtschaftlich voranzubringen. Die Konflikte zwischen SPD-Finanzminister Lars Klingbeil und CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche stellen diese Kooperation infrage.
Bild-Zeitung-Kommentatoren sehen in den Unstimmigkeiten bereits eine drohende Regierungskrise, da die Partner zu unterschiedlich agieren. Im Zentrum des Streits steht die Frage nach der Reaktion auf steigende Spritpreise infolge des Krieges im Iran. Während Sozialdemokraten Entlastungen für Verbraucher fordern, warnen Liberale vor den finanziellen Belastungen für den Staatshaushalt.
Finanzminister Klingbeil befürwortet einen variablen Preisdeckel, finanziert durch eine Übergewinnsteuer. Eine solche Steuer gab es nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine bereits zeitweise in Europa. Am Freitag diskutierte er mit Wirtschaftsvertretern über mögliche Entlastungen bei Spritpreisen, ohne die Wirtschaftsministerin einzubeziehen.
Währenddessen kritisierte Reiche Klingbeils Vorschläge öffentlich und lehnte die Übergewinnsteuer ab. Sie plädiert stattdessen für eine Erhöhung der Pendlerpauschale, was erst in einem Jahr steuerlich wirken würde.
SPD-Vertreter wie Dirk Wiese kritisieren Reiche scharf und sehen ihre Alleingänge als bedrohlich für die Koalitionsarbeit. Kanzler Merz ist ebenfalls über den öffentlichen Schlagabtausch verärgert und mahnt zur Zurückhaltung. In einem Ministergespräch war vereinbart worden, Vorschläge konsensual zu erarbeiten.
Merz stimmt Reiche inhaltlich bei der Ablehnung einer Übergewinnsteuer zu, ihm ist jedoch die Glaubwürdigkeit seiner Regierung wichtiger. Ein Vertrauensverlust könnte seine Reformpläne gefährden.