In Zürich hat der Konflikt zwischen Stadt und Kanton über eine neu eingerichtete Velospur an der Limmat zugenommen. Der Kanton kritisiert, dass die neue Spur bis auf die Autobahn zu einem Rückstau geführt habe und ist entschlossen, dagegen vorzugehen. Die Stadt reagierte verärgert auf diese Maßnahme.
Die Gruppe «Velo Mänsche Züri» hat über Instagram zu einer Protestaktion aufgerufen: «Der Kanton räumt voraussichtlich heute die Velospur ab. Kommt alle, um dagegen ein Zeichen zu setzen!» Bei der Kundgebung am Neumühlequai versammelte sich eine kleine Gruppe von Radfahrern in Erwartung des Eingreifens durch kantonale Mitarbeiter.
Die umstrittene Velospur wurde vor etwa einer Woche ohne Absprache mit dem Kanton eingerichtet. In der Auseinandersetzung hat die Stadt zusätzlich einen weiteren Fahrstreifen an der Walchestrasse gesperrt und in eine Veloführung umgewandelt, was den Konflikt weiter verschärft.
Stadtverantwortliche begründen die Maßnahme mit Sicherheitsbedenken: Die Unterführung Bahnhofquai ist wegen Bauarbeiten für Radfahrer gesperrt und viele ignorieren diese Regelung. Daher sollte die neue Führung sicherstellen, dass Velofahrer den neuen Tunnel unter dem Hauptbahnhof nutzen.
Stadträtin Karin Rykart betont, solche Maßnahmen seien bei Baustellen üblich und in der Zuständigkeit der Stadt. Der Kanton sieht das jedoch als Provokation an und bezichtigt die Stadt des Verstoßes gegen den Anti-Stau-Artikel der Kantonsverfassung. Der Regierungsrat hat nun dem kantonalen Tiefbauamt befohlen, die Spur zu entfernen.
Die Stadt weist darauf hin, dass sie eine langfristige Velospur am Neumühlequai plant und zwei Projekte zur Genehmigung eingereicht habe. Der Vorwurf des Kants, unangekündigte Verkehrsänderungen vorgenommen zu haben, wird von der Stadt als unbegründet zurückgewiesen.
Die Velo-Demonstranten hielten am Nachmittag an ihrem Protest fest und meldeten später via Instagram einen Erfolg: Die Demontage wurde vorerst gestoppt. Die Staatskanzlei kündigte jedoch an, dass das Tiefbauamt in den nächsten Tagen aktiv werden werde.
Während des Protests war die Velospur kaum genutzt; auf der Auto-Spur hingegen stauten sich die Fahrzeuge dicht gedrängt. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Streit zwischen Stadt und Kanton weiter entwickeln wird.