Die dramatische Festnahme von Nicolás Maduro durch US-Spezialeinheiten hat Venezuela in eine neue, unübersichtliche Lage gestürzt. In Caracas übernimmt Delcy Rodríguez die Geschäfte der Regierung, während Washington Ölpolitik mit Sanktionen und Nachfolgeregelungen verbindet. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.
In der Nacht auf den 3. Januar 2026 erschütterten Explosionen Caracas. US-Militäreinheiten nahmen Präsident Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores in ihrem Wohnhaus fest. Washington spricht von Strafverfolgung, während das venezolanische Regime und Kritiker der Operation von Entführung und Souveränitätsbruch sprechen.
Die militärische Aktion “Operation Absolute Resolve” wurde spektakulär inszeniert. Präsident Trump verfolgte die Aktion aus seiner Villa in Florida und postete ein Foto von Maduro im Jogginganzug mit Handschellen an Bord eines Kriegsschiffes.
Maduro und seine Frau wurden in die USA gebracht und angeklagt, unter anderem wegen Drogendelikten. Er bestreitet alle Vorwürfe und behauptet weiterhin seine Legitimität als Präsident, während er sich selbst als Gefangenen sieht.
Mit der Festnahme von Maduro haben die USA lediglich das Gesicht der dortigen Diktatur verändert; der Repressionsapparat bleibt intakt. Delcy Rodríguez ist aktuell geschäftsführende Präsidentin, nachdem sie am 5. Januar vereidigt wurde. Das Oberste Gericht ordnete an, dass sie in Maduros erzwungener Abwesenheit die Amtsgeschäfte übernimmt, was auch vom Militär unterstützt wird.
Rodríguez hat bisher erfolgreich das Regierungslager zusammengehalten und ihre Position gefestigt. Sie erfüllt zentrale Forderungen der USA, indem sie direkt mit Washington verhandelt, besonders hinsichtlich der Erdölvorkommen Venezuelas. Ende Januar zeigte sich Rodríguez offen für Zusammenarbeit mit der Opposition.
Die venezolanische Opposition ist gespalten: Einige fordern schnelle Wahlen und internationale Garantien, andere setzen auf die Freilassung politischer Gefangener und den Abbau repressiver Strukturen.
Für Trump steht ein Regimewechsel in Venezuela nicht im Vordergrund; vielmehr geht es um die Erdölvorkommen. Trotz Machados jahrelanger Bemühungen für eine militärische Intervention der USA, zeigte Trump ihr bei einem Besuch Mitte Januar die kalte Schulter.
Machado bleibt dennoch eine zentrale Figur in Venezuela, deren Handlungsspielraum von Sicherheitsapparat und Medienkontrolle abhängt. Die USA hatten Maduro bereits 2020 mit Drogenkartellen kollaboriert vorgeworfen und ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt, das bis Januar 2025 auf 25 Millionen Dollar erhöht wurde.
Seit September führte die USA eine maritime Operation unter dem Deckmantel der Anti-Drogen-Bekämpfung durch. Trump bezeichnete die Opfer dieser Aktionen pauschal als “Terroristen” und kritisierte die Bande Tren de Aragua, die von den USA als Terrororganisation eingestuft wurde.
Diese Maßnahmen wirkten wie eine Zwangsanwendung gegen Caracas, indem wirtschaftlicher und militärischer Druck auf die venezolanische Regierung ausgeübt wurde. Dies zielte darauf ab, Kontrolle über Zahlungsströme und Handelswege zu erlangen.
Diese Strategie trug Früchte: Nach Maduros Festnahme verabschiedete Caracas eine Reform zur Öffnung des Erdölsektors für ausländische Investitionen. Völkerrechtlich bleibt das Gewaltverbot der Uno-Charta und die Souveränität zentral. Die USA wurden vom Uno-Hochkommissariat für Menschenrechte wegen “gewaltsamer Entführung” eines amtierenden Staatsoberhaupts kritisiert, was gegen verbreitetes Verständnis von persönlicher Immunität verstößt.