Neuseeland beginnt die nächste Phase eines beispiellosen Naturschutzprogramms, das sich dem Schutz des gefährdeten Nationalvogels widmet. Die Wälder rund um Wellington erstrahlen in warmen Herbstfarben. In der neuseeländischen Hauptstadt startet ein einzigartiges Vorhaben: die Jagd auf eingeschleppte Raubtiere, um den bedrohten Kiwi zu retten.
Naturschutzminister Tama Potaka kündigte an, dass Wellington zur ersten «raubtierfreien Stadt» Neuseelands werden soll. Das Ministerium für Naturschutz investiert über fünf Jahre 5,5 Millionen neuseeländische Dollar (etwa 2,5 Millionen Franken) in dieses Projekt, um mit den Organisationen Capital Kiwi und Zealandia Te Mara a Tane eingeschleppte Raubtiere auf einer Fläche von 18.500 Hektar zu bekämpfen.
Dieses Vorhaben soll mehr als 200.000 Einwohner und 20.000 Unternehmen profitieren, wie Naturschutzminister Potaka betont. Es handelt sich um einen koordinierten Ansatz über die gesamte Stadt, der praktische Massnahmen für Bewohner beinhaltet und zur Rückkehr heimischer Tierarten führt.
Die Initiative ist Teil des nationalen Programms «Predator Free 2050», das eingeschleppte Raubtiere von den beiden Hauptinseln entfernen will. Wellington dient dabei als Modell für andere Städte und das ganze Land.
Seit der Besiedlung vor rund 750 Jahren sind mindestens 76 Vogelarten verschwunden, einschließlich des Kiwis, der in Neuseeland als Nationaltier gilt und auf Münzen und dem Logo der Luftwaffe abgebildet ist. Forschende berichten, dass von den einst zwölf Millionen Kiwis heute nur noch rund 70.000 übrig sind. Ihre Lebenserwartung ist durch Raubtiere wie Hunde, Katzen, Hermeline und Frettchen auf dreizehn Jahre gesunken.
Der nachtaktive und flugunfähige Kiwi ist ein biologisches Kuriosum mit mehr Ähnlichkeiten zu Säugetieren als anderen Vögeln. Neuseelands Vogelwelt umfasst auch andere einzigartige Arten wie den Bergpapagei Kea, den seltenen flugunfähigen Kakapo und den Gelbaugenpinguin.
Diese Vielfalt verlangt nach Schutz, da viele Arten bedroht sind. Doch Hoffnung besteht durch erfolgreiche Massnahmen: Die Organisation Kiwi Coast zeigte, dass der Ruf des Kiwis an Standorten mit vorher keiner Aktivität wiederkehrt. Bei Whangarei Heads wuchs die Population von achtzig auf über tausend Tiere.
Im Programm «Predator Free 2050» rücken nun die Feinde der Vögel in den Fokus, insbesondere Wildkatzen, deren Jagd viele Arten bedroht. Die Regierung hat sie offiziell in den Ausrottungsplan aufgenommen; Hauskatzen bleiben jedoch ausgenommen.
Mit über neuntausend kommunalen Fallenprojekten im Land soll Wellington demonstrieren, dass solche Massnahmen auch in großen Städten funktionieren. Gelingt der Plan, werden die Bewohner bald den Kiwiruf wieder hören können.