Die israelische Armee warnt die libanesische Bevölkerung, besonders in Gebieten südlich oder nahe des Litani-Flusses, vor Rückkehr in ihre Dörfer aufgrund anhaltender Aktivitäten der Hisbollah. Trotz einer zehntägigen Waffenruhe setzt Israel die Angriffe fort und zerstört Ortschaften im Süden des Landes. SRF-Nahostkorrespondent Thomas Gutersohn analysiert die prekäre Lage.
Seit 2023 berichtet Thomas Gutersohn aus Amman für SRF über den Nahen Osten, nachdem er zuvor als Südasien-Korrespondent und von der Westschweiz aus tätig war. Er ist seit 2008 bei SRF beschäftigt und studierte Internationale Beziehungen in Genf.
Die neu etablierte Waffenruhe zeigt sich fragil; während sie in Beirut eine gewisse Beruhigung brachte, herrscht im Süden Libanons kaum Ruhe. Israel beansprucht das Recht auf Selbstverteidigung und sieht Infrastrukturen wie Bagger oder Bulldozer als potenzielle Bedrohungen.
Satellitenbilder, unter anderem von der BBC veröffentlicht, belegen die systematische Zerstörung libanesischer Dörfer. Israel zielt darauf ab, eine Pufferzone zu schaffen, um Nordisrael vor Angriffen der Hisbollah zu schützen.
Israel plant laut aktuellen Berichten, den Südlibanon in drei verschiedene Kontrollzonen aufzuteilen. Die genaue Grösse dieser Pufferzone bleibt unklar. Menschen im Süden sehnen sich danach, zurückzukehren, da viele ihre Häuser bereits bei früheren Konflikten verloren haben und Alternativen rar sind.
Im konfessionell strukturierten Libanon sind Religionsgemeinschaften wie Christen, Sunniten, Drusen und Schiiten stark politisiert. Die Hisbollah und die Amal-Bewegung dominieren unter den Schiiten, übernehmen staatliche Aufgaben und kontrollieren soziale Dienstleistungen. Wer sich von der Hisbollah distanziert, riskiert den Verlust grundlegender Versorgung.
Wahlen wurden aufgrund des Krieges verschoben, was die Machtbalance zugunsten der Hisbollah festigt.
Nach einem Vorfall, bei dem ein israelischer Soldat ein christliches Symbol beschädigte, verspricht die Armee angemessene Massnahmen. Ein Foto zeigte den Soldaten, wie er auf eine Jesusfigur einschlägt. Die israelische Armee will der Gemeinde helfen, das Kruzifix wiederherzustellen.
Aussenminister Gideon Saar entschuldigte sich bei allen Christen und bezeichnete die Handlung als «beschämend», da sie Israels Werten widerspricht. Etwa ein Drittel der libanesischen Bevölkerung ist christlich.