Nach der Abwahl von Viktor Orban feierten viele Medien, darunter die deutsche «Zeit», das Ereignis als «Das Wunder von Budapest». Doch trotz dieses Sieges bleibt der Populismus eine Herausforderung. Der Ausgang in Ungarn wird oft als Zeichen gegen Rechtspopulismus gewertet, wie EU-Politikerin Ursula von der Leyen und Friedrich Merz betonten. Dennoch zeigt das bulgarische Wahlresultat mit Rumen Radew an der Spitze eine andere Richtung: Ein russlandfreundlicher Ex-General, der gegen Militärhilfe für die Ukraine ist und sich Sanktionen gegen Russland widersetzt.
In beiden Ländern spielten Korruption und wirtschaftliche Notlagen eine zentrale Rolle. Die Kandidaten Magyar in Ungarn und Radew in Bulgarien haben mit ihren Anti-Korruptionskampagnen die Glaubwürdigkeit der bisherigen Regierungen untergraben. Viktor Orbans Fokus auf ausländische Politik brachte ihm innerhalb seines Landes Verluste ein, was er durch eine angekündigte Änderung des Lebensstils in seiner Partei zu kompensieren versucht.
Trotz der Niederlage Orbans bleibt die Frage offen, ob es sich um einen Trendwechsel handelt. In Bulgarien steht Radews Wahl nicht für europafreundliche Politik, sondern vielmehr für nationale Interessen im Kampf gegen Oligarchie und Korruption.
Die Diskussion über das Ende des Rechtspopulismus wird fragiler, wenn man die aktuellen Themen betrachtet: Migrationsprobleme, Ausländerkriminalität, Islamismus, Entscheidungsverlagerung zu internationalen Organisationen und Einschränkungen der Meinungsfreiheit sind weiterhin virulent. Diese Faktoren tragen zur Stärke des Nationalstaatsgedankens in Europa bei.
Die politische Handlungsunfähigkeit auf nationaler Ebene fördert die Rechtspopulisten, wie Umfragen zeigen: In Frankreich liegt Marine Le Pens Partei vorn und in Deutschland überholt die AfD CDU/CSU. Der Rechtspopulismus verschwindet nicht durch Wunder, sondern durch Lösungen der zugrundeliegenden Probleme.