Die Situation im Nahen Osten bleibt angespannt, während die USA und Iran auf eine mögliche Rückkehr zu militärischen Auseinandersetzungen vorbereitet sind. In der Strasse von Hormuz kam es kürzlich zu Gefechten, was die Befürchtung einer erneuten Eskalation des Konflikts nährt. Eine zweite Verhandlungsrunde in Pakistan steht noch nicht fest.
In Dahiye, einem Teil Beiruts unter Kontrolle der Hizbullah, ist das Misstrauen groß: “Der Krieg wird bald wieder losgehen,” äußert ein älterer Mann mit grauem Bart. Über dem Gebiet kreist eine israelische Drohne, während zerstörte Häuser an die jüngsten Konflikte erinnern. Die Schiitenmiliz hat den Bewohnern die Rückkehr in ihre Wohnungen während der Waffenruhe untersagt.
Bis Dienstag wird entschieden werden, ob sich im Nahen Osten die Kämpfe wieder verschärfen. Am Montagnachmittag deuteten Entwicklungen auf eine Eskalation hin: In der Nacht zuvor hatten US-Soldaten ein iranisches Frachtschiff in der Strasse von Hormuz entert und seine Weiterfahrt blockiert, was Washingtons Blockade iranischer Häfen fortsetzt. Iran reagierte mit Drohnenangriffen auf US-Kriegsschiffe. Beide Nationen zeigen Bereitschaft zu erneuten Kämpfen.
Während eine US-Delegation unter Führung von Donald Trump in Pakistan eintrifft, bleibt Teheran bezüglich weiterer Gespräche unentschieden. Ein Sprecher des iranischen Aussenministeriums bestätigte am Montag, dass keine zweite Verhandlungsrunde geplant sei. Die Haltung Irans bleibt fest.
Danny Citrinowicz, ehemaliger Leiter der Iran-Abteilung im israelischen Militärgeheimdienst, beschreibt die aktuelle Situation als “Islamische Republik 3.0” nach zwei Kriegen gegen Israel und die USA. Die Revolutionswächter haben an Einfluss gewonnen, Entscheidungen bleiben dezentralisiert, was Irans feste Haltung auf seinen roten Linien erklärt.
Citrinowicz prognostiziert, dass kein Abkommen zustande kommt, solange die USA ihre Seeblockade gegen Iran beibehalten. Iran wird voraussichtlich sein Raketenarsenal nicht einschränken und weiterhin islamistische Milizen unterstützen. Die USA scheinen dies zu tolerieren, da ihre Sicherheitsinteressen unmittelbar nicht bedroht sind.
Die Verhandlungen zwischen den USA und Iran konzentrieren sich auf die Strasse von Hormuz sowie den Disput um die iranische Urananreicherung. Nach ersten Gesprächen in Islamabad deuten Berichte darauf hin, dass ein vollständiges Anreicherungsverbot nicht mehr erwartet wird. Iran bot an, fünf Jahre lang keine Anreicherung durchzuführen, während US-Vertreter unter J. D. Vance auf zwanzig Jahre bestanden.
Citrinowicz vermutet, dass Iran in den Verhandlungen seine Kontrolle über die Strasse von Hormuz fordern wird, um für Sicherheit zu sorgen und dafür bezahlt zu werden. Teheran hat derzeit das bessere Handicap.
Die wirtschaftliche Notlage Irans spielt eine Rolle: Geld ist dringend nötig, und ein Mautsystem in der Meerenge könnte die Staatsfinanzen retten. Der iranische Historiker Rouzbeh Parsi sieht Potenzial für ein umfassendes Abkommen, das den Konflikt langfristig beendet.
Doch Zeit ist knapp: Die Verhandlungen finden während einer fragilen Waffenruhe statt, die bis Mittwoch andauert. Israel und Hizbullah signalisieren, dass sie bereit sind, erneut zu kämpfen, was die Region in höchste Alarmbereitschaft versetzt.