Am 14. Juni wird die Schweizer Bevölkerung über eine geplante Gesetzesänderung abstimmen, die den Wechsel vom Militärdienst zum Zivildienst erschweren soll. Bundesrat und Parlament befürchten, dass der Zivildienst zu einem Massenphänomen geworden ist, das seinen ursprünglichen Zweck als Sonderlösung für Ausnahmefälle nicht mehr erfüllt. Heute sind über 60.000 Personen im Zivildienst eingeteilt – mehr als die Hälfte des Sollbestandes der Armee von 100.000 Soldatinnen und Soldaten.
Jährlich entscheiden sich rund 6000 Menschen gegen den Militärdienst, ein Drittel davon nach Absolvierung eines erheblichen Teils ihres Dienstes, darunter Rekrutenschule-Absolventen sowie Kader und Fachspezialisten. Bundesrat und Parlament möchten diese Wechselform einschränken. Seit 2009 entfällt die Gewissensprüfung für den Zivildienst; an ihre Stelle trat der Tatbeweis, also eine längere Dienstdauer als im Militär. Infolgedessen stieg die Zahl der Gesuche von 1632 im Jahr 2008 auf einen Höchststand von 7211 im Jahr 2025.
Im letzten Jahr wechselten mehr als die Hälfte der Antragsteller (3997) vor der Rekrutenschule zum Zivildienst. Der Bundesrat sieht den Armeebestand gefährdet, wie das Fehlen mehrerer Hundert Truppenärzte im Jahr 2023 zeigt. Trotz verbesserter Vereinbarkeit des Militärdienstes mit dem Privatleben und flexiblerer Rekrutierung reicht dies aus Sicht der Regierung nicht aus. Sie plant sechs Massnahmen, um die jährlichen Gesuche auf rund 4000 zu reduzieren.
Der Bundesrat betont in seiner Botschaft, dass der Zivildienst 1992 als Ersatzdienst für Gewissensgründe eingeführt wurde und nicht aus persönlicher Neigung oder Bequemlichkeit. Die Tatbeweislösung bleibt dennoch bestehen, da eine Wiedereinführung der Gewissensprüfung abgelehnt wurde.
Obwohl die Regierung den Beitrag von Zivildienstleistenden anerkennt, gewichten sie Wehrgerechtigkeit höher als volkswirtschaftliche Interessen. Gegner bezeichnen die Massnahmen als strafähnlich und warnen vor einer schrittweisen Abschaffung des Zivildienstes, was den sozialen Zusammenhalt sowie Umwelt- und Sicherheitsaspekte gefährde. Sie befürchten zudem, dass viele Dienstpflichtige die medizinische Ausmusterung nutzen könnten, sodass die Armee nicht von sinkenden Zivildienstzahlen profitiere.
Der Nationalrat stimmte mit 120 zu 76 Stimmen für die Änderungen; der Ständerat votierte mit 33 zu 10 Stimmen bei einer Enthaltung.