Die Forderung nach staatlichen Preissenkungen bei Benzin und Diesel ist fehlgeleitet. Das Angebot bleibt wahrscheinlich weiterhin knapp, sodass eine Anpassung der Nachfrage unausweichlich ist.
Durch die Bombardierung des größten Erdgasfeldes der Welt im Persischen Golf haben Israel und Iran am Mittwoch eine rote Linie überschritten. Bisher hatten sich die Kriegsparteien auf militärische Ziele konzentriert, ohne die explosive Infrastruktur für Öl- und Gasförderung anzugreifen. Nun jedoch werden Bilder brennender Anlagen im South-Pars-Feld Realität.
Seitdem sind die Aktienkurse weltweit gesunken, der Preis für europäisches Brentöl liegt erneut über 100 Dollar pro Barrel. Fathi Birol von der Internationalen Energieagentur warnt in einem Interview mit der «Financial Times», dass die Märkte das Problem noch unterschätzen. Blockierte Lieferungen aus dem Golf entsprechen laut ihm einer Angebotsverknappung, die größer ist als nach dem Ukraine-Krieg 2022 oder der Ölkrise von 1973. Nach einem möglichen Kriegsende würden Reparaturen an zerstörten Anlagen bis zu sechs Monate in Anspruch nehmen.
Diese Eskalation könnte die Weltwirtschaft ins Chaos stürzen. Obwohl Präsident Trump am Donnerstag von weiteren Angriffen abrückte, bleibt eine Fortsetzung der Eskalation ungewiss. Die Lösung der Blockade in der Straße von Hormuz ist ebenfalls ungeklärt. Dies erhöht die Unsicherheit an den Märkten, und es könnte noch schlimmer werden, da Raketen und Drohnen weiter über dem Golf kreisen.
Asien und Europa müssen sich auf eine monatelange Verknappung und höhere Preise einstellen. Laut der Europäischen Kommission stiegen die Treibstoffpreise in Europa seit Kriegsbeginn im Durchschnitt um 12 Prozent beim Benzin und 40 Prozent beim Diesel. Erdgas hat fast den doppelten Preis erreicht. Die EU-Daten zeigen ähnliche Preisanstiege in vielen Ländern, was Vorwürfe von Wucher oder oligopolistischem Verhalten widerlegt.
Die hohen Preise signalisieren erwartete Versorgungsengpässe, die durch eine längere Dauer des Konflikts verstärkt werden. Daher ist es wichtig, dass sich die Nachfrage anpasst: Unternehmen und Haushalte sollten auf höhere Preise mit Verhaltensänderungen reagieren – weniger Autofahren, weniger Heizenergie verbrauchen oder energieintensive Produktionen verschieben. Die IEA hat Empfehlungen veröffentlicht, wie dies erreicht werden kann, von mehr Home-Office bis zu Fahrgemeinschaften und dem Verzicht auf Flugreisen.
Staatliche Eingriffe zur Preissenkung sind kontraproduktiv. Länder wie Italien und Österreich haben die Mineralölsteuer vorübergehend reduziert, was jedoch die Nachfrage weiter steigert. Besser wären gezielte Zahlungen an wirklich betroffene Härtefälle.
Langfristig helfen strukturelle Anpassungen gegen solche Abhängigkeiten und Knappheiten am Erdölmarkt. Die USA sind dank Fracking zum größten Ölexporteur aufgestiegen, während China durch Elektrifizierung und den Ausbau erneuerbarer Energien seine Erdölabhängigkeit reduzierte. Europa dagegen zögert bei Fracking und Elektrifizierung. Die Versorgungskrise nach dem Ukraine-Krieg weist bereits auf die nächste Krise durch den Iran-Krieg hin, was die mangelnde Anpassungsfähigkeit zeigt.