In der letzten Woche endete in einigen großen Ländern der Patentschutz für den Wirkstoff Semaglutid, der in den bekannten Abnehmspritzen Ozempic und Wegovy enthalten ist. Dies ermöglicht nun die Herstellung von Generika – Nachahmerprodukte mit demselben Wirkstoff. Insbesondere Indien, ein bedeutender Markt sowie Produktionsstandort für Medikamente, könnte davon profitieren. Maren Peters, Südasien-Korrespondentin für Radio SRF seit September 2022, berichtet über die potenziellen Auswirkungen in dem bevölkerungsreichsten Land der Welt.
Indien verzeichnet eine der höchsten Zahlen an stark übergewichtigen Menschen weltweit, mit Schätzungen von rund 450 Millionen bis 2050. Der Wandel im Schönheitsideal – weg vom traditionellen Kugelbauch hin zu einem schlankeren Aussehen, wie es viele Bollywood-Stars verkörpern – sowie die gesundheitlichen Risiken durch Bauchfett, befeuern die Nachfrage nach solchen Produkten.
Indische Pharmaunternehmen haben bereits am Wochenende kostengünstige Generika auf den Markt gebracht. Diese kosten zwischen 15 und 35 Franken pro Monat, was etwa der Hälfte des bisherigen Preises in Indien entspricht. In der Schweiz liegt der Preis für die patentierte Originalversion Ozempic bei über 100 Franken monatlich.
Der indische Pharmamarkt ist nur gering reguliert; rezeptpflichtige Mittel sind leicht ohne Rezept und ärztliche Begleitung erhältlich, beispielsweise online. Dies birgt ein hohes Missbrauchspotenzial sowie Risiken bei der falschen Anwendung.
Ein steigendes Gesundheitsbewusstsein schafft einen Markt für Fitness- und Wellnessprodukte, besonders unter den konsumstarken zehn Prozent der Bevölkerung. Es besteht jedoch die Tendenz zu schnellen Lösungen, wie Paketlösungen von Fitnesstrainerinnen oder Hochzeitsplanern, die Crash-Diäten innerhalb von drei Monaten anbieten. Ärzte warnen vor den gesundheitlichen Gefahren eines zu schnellen Abnehmens ohne medizinische Begleitung.
Privatpersonen können in Indien bereits die Generika-Spritzen erwerben und für persönliche Zwecke nach der Schweiz mitnehmen, jedoch nur auf einen Monat beschränkt. Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic warnt vor Bestellungen aus dem Ausland wegen des Risikos von Fälschungen oder minderwertigen Produkten. Der Anreiz zur Qualitätsschmälerung könnte in einem großen Markt wie Indien zunehmen, wo immer wieder Pharmaskandale aufgrund gefälschter Medikamente auftreten.