Europas Abhängigkeit vom Öl wird durch den Iran-Krieg und Druck aus den USA deutlich. Donald Trump zeigte sich auf Truth Social verärgert darüber, dass europäische Verbündete zögerlich gegenüber einem Einsatz an der Strasse von Hormuz waren, und meinte, Europa solle sich sein Öl selbst besorgen.
Diese Aussagen verdeutlichen Europas Abhängigkeit: Der Kontinent importiert den Großteil des für Verkehrsmittel wie Autos, Lastwagen und Flugzeuge benötigten Öls sowie das meiste Erdgas, das Heizungen, Kraftwerke und Industrieöfen versorgt. Diese Situation macht Europa vom guten Willen der Petrostaaten abhängig.
Der Iran-Krieg und Trumps Drohungen machen deutlich: Europas Abhängigkeit sollte reduziert werden – zuerst dort, wo es technisch am einfachsten ist. Eine realistische Option im Strassenverkehr ist der Übergang auf elektrische Antriebe. Aktuell wird die Elektromobilität entweder als Irrweg oder übermäßig idealisiert betrachtet.
Tatsächlich bleiben Diesel- und Benzinautos in vielen Bereichen überlegen, etwa bei Reichweite oder beim Ziehen schwerer Lasten. Allerdings erschafft die Elektromobilität neue Abhängigkeiten: Die Batterieproduktion ist fast vollständig chinesisch geprägt, und Europa hat Schwierigkeiten beim Zugang zu notwendigen Rohstoffen.
Trotzdem bietet die Technologie Möglichkeiten zur Reduzierung des Energiebedarfs und Diversifizierung. Elektroautos sind effizienter und benötigen für dieselbe Kilometerzahl deutlich weniger Energie als Benzin- oder Dieselfahrzeuge. Zudem kann ein wachsender Teil des Stroms in Europa klimafreundlich erzeugt werden, etwa durch Wasserkraftwerke, Windräder oder Kernenergie.
Ein Beispiel ist die Solarenergie: Eine Photovoltaikanlage der Größe eines Parkplatzes liefert genug Strom für mindestens 10.000 Fahrkilometer pro Jahr mit einem Elektroauto.
In einer Welt knapper werdender Energieressourcen sind Effizienzvorteile strategische Vorteile, ein Umstand, den China bereits erkannt hat und die Elektromobilität intensiv vorantreibt. Peking möchte seine Abhängigkeit von fossilen Importen verringern.
Für Konsumenten sind Elektroautos anfänglich teurer als Verbrenner, jedoch fallen über den gesamten Lebenszyklus oft ähnliche oder niedrigere Gesamtkosten an – besonders bei häufigem Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz. Dies erkennen zunehmend Konsumenten: In der Schweiz stiegen die Verkäufe von Plug-in-Hybriden und reinen Elektroautos im ersten Quartal um fast 40 Prozent, ähnliche Trends zeigen sich in Großbritannien und sogar in den USA.
Ob diese Entwicklung anhält, wenn sich der Ölmarkt beruhigt, ist ungewiss. Der Chef der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, sieht jedoch mehr als eine Momentaufnahme: Er glaubt, dass der gegenwärtige Ölpreisschock die Verbreitung klimafreundlicher Technologien nachhaltig beschleunigt, getrieben nicht allein vom Klimaschutz, sondern auch von Sorgen um die Energiesicherheit.
Trotz neuer Abhängigkeiten muss Europa in Elektromobilität investieren. Die Technologie ist längst mehr als ein Mittel zum Klimaschutz; sie ist zu einer strategischen Aufgabe geworden.