Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE) hat die Regeln zur Verwendung des Schweizerkreuzes auf Industrieprodukten gelockert. Diese Änderung wird vom Zürcher Laufschuhhersteller On begrüßt, da der Konzern seit langem über die Nutzung des Kreuzes mit den Behörden im Streit lag. Während On sich über die Einigung freut, löst sie bei anderen Schweizer Unternehmen Kritik aus.
Seit 2017 schützen die «Swissness»-Regeln die Marke «Schweiz» vor Missbrauch durch Trittbrettfahrer. Nun erleichterte Richtlinien erlauben unter bestimmten Umständen die Kennzeichnung mit dem Schweizerkreuz. Früher mussten mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz entstehen, und der entscheidende Schritt zur Produktentwicklung sollte ebenfalls hier stattfinden.
Heute ist es erlaubt, das Schweizerkreuz zu verwenden, wenn die Produkte in der Schweiz entworfen oder entwickelt werden. On muss das Kreuz zusammen mit «Swiss Engineering» verwenden und darf nicht größer als der Schriftzug sein. Das IGE begründet die Entscheidung damit, dass Unternehmen im internationalen Umfeld Entlastungen benötigen, da hohe US-Zölle und eine starke Frankenwährung viele zur Verlagerung von Produktionsteilen ins Ausland zwingen. Wichtige Innovationsphasen wie Forschung und Entwicklung finden jedoch weiterhin in der Schweiz statt.
Der genaue Umfang von «Swiss Engineering» ist noch unklar, und gemäß Alexander Pfister vom IGE muss ein Gericht im Einzelfall über die Konformität mit dem «Swissness»-Gesetz entscheiden. Alexandra Bini von On sieht die Neuerung positiv, da Innovationen am Zürcher Hauptsitz stattfinden und nun eine umfassendere Betrachtung der Wertschöpfungskette ermöglicht wird.
Marketingexperte Sven Reinecke warnt jedoch vor einer möglichen Verwässerung der Marke «Schweiz», da einige Firmen ihre Produktion ins Ausland verlagern könnten. Die neuen Regeln gelten sofort für alle Industrieprodukte, während Uhren-, Kosmetik- und Lebensmittelbranchen weiterhin strengere Vorgaben befolgen müssen. Klagen gegen die Verwendung des Schweizerkreuzes bleiben auch weiterhin möglich.