Janie Bisset, Leiterin von Ikea Schweiz, ist der Ansicht, dass große Arbeitgeber in der Schweiz mehr Verantwortung übernehmen sollten. “Große Firmen wie wir verfügen über die nötigen finanziellen Mittel und Strukturen”, betont sie. Die Integration sei ohne Erwerbstätigkeit kaum möglich. Bei Ikea arbeiten rund 3500 Mitarbeiter, darunter etwa 100 mit Fluchtgeschichte.
In der Schweiz leben mehr als 200.000 Geflüchtete, die Zahlen schließen Personen mit Niederlassungsbewilligung aus, zu denen auch manche mit Fluchtgeschichte gehören. Der Bundesrat hebt hervor, dass die Schweiz bei langfristiger Erwerbsintegration im internationalen Vergleich gut abschneidet. Dennoch ist es oft schwierig, schnell eine Stelle zu finden, da hohe Anforderungen an Sprachkenntnisse und Qualifikation gestellt werden; viele Arbeitgeber fordern mindestens eine abgeschlossene Berufslehre.
Ikea bietet drei Programme für Geflüchtete an: Praktika mit Sprachkursen, Vorlehren und direkte Einstiegsstellen. Bisset betont den Nutzen: “70 Prozent der Geflüchteten arbeiten weiter bei uns. Wir fördern Talente, die sich innerhalb des Unternehmens entwickeln.” Ein Beispiel ist Ftwi Atobrhan, ein Eritreer in der Schweiz seit fast zehn Jahren und nun als Detailhandelsfachmann bei Ikea tätig.
Bisset sieht jedoch Einschränkungen: “Alleine können wir keinen großen Unterschied machen. Wir möchten unsere Erfahrungen teilen, damit andere Firmen nicht denselben Lernprozess durchlaufen müssen.” Im November lud Ikea zu einem Vernetzungstreffen ein, um mehr Unternehmen zur Beschäftigung von Geflüchteten zu motivieren.
Adrian Gerber, der im Auftrag des Bundesrats arbeitet, hob hervor, dass die Anzahl der erwerbstätigen Geflüchteten in den letzten drei Jahren gestiegen ist. Dennoch gibt es noch Potenzial zur Verbesserung: “Die Unternehmen müssen Geflüchtete eine Chance geben”, sagte Gerber.
Coop, Fenaco und die Post beschäftigen jeweils über hundert Geflüchtete. Andere Firmen verweigern Angaben, mit dem Hinweis auf persönlichkeitsrechtliche Gründe, obwohl sie offene Stellen für alle melden.
Obwohl viele große Unternehmen Integrationsvorlehren anbieten, gibt es nur wenige spezifische Programme wie Praktika für Geflüchtete. Zu den befragten Unternehmen gehören Migros, Coop, Fenaco, Roche, Novartis, Nestlé, UBS, Swisscom, Post, SBB, AMAG sowie Bundes- und Kantonverwaltungen.
Bisset unterstreicht die Notwendigkeit, Geflüchteten aktiv Unterstützung zu bieten und Programme zuzuschneiden. Sie betont, dass die volle Unterstützung der Unternehmensführung entscheidend für erfolgreiche Integration sei: “Wenn auch die Chefetage daran glaubt, wird die Integration erfolgreich.” Für Bisset ist es eine Herzensangelegenheit, Unternehmen und öffentliche Hand gleichermaßen in dieser Verantwortung zu sehen.