In Indien löst ein neues Gesetz Proteste aus. Das Parlament hat eine Reform im Bereich der Rechte für Transgender-Personen verabschiedet, die das bisherige Selbstbestimmungsrecht in Bezug auf geschlechtliche Identität außer Kraft setzt und durch eine zweistufige Prüfung ersetzt: zunächst durch ein Gremium von Ärzten und anschließend durch einen Regierungsvertreter. Maren Peters, die Südasien-Korrespondentin für Radio SRF, erläutert die Auswirkungen auf die betroffenen Transpersonen.
Maren Peters berichtet seit September 2022 als Korrespondentin von Indien aus über die Regionen Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka, Nepal, Bhutan und die Malediven. Zuvor war sie als Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF tätig, mit einem Fokus auf internationale Wirtschafts- und Entwicklungspolitik sowie Nachhaltigkeits- und Rohstofffragen.
Das neue Gesetz entzieht Transpersonen das Recht zur eigenen geschlechtlichen Selbstbestimmung. Viele sehen darin einen Rückschritt, der die Errungenschaften der letzten Jahre zunichtemacht und eine erhöhte Stigmatisierung sowie Ausgrenzung befürchten lässt. Zudem definiert das Gesetz den Begriff “Transgender” enger: Danach ist Transperson nur noch jemand, der zu traditionellen Gemeinschaften wie den Hijra gehört, die Transidentität bereits seit Jahrtausenden anerkennen. Kritisiert wird auch, dass betroffene Gruppen nicht in den Gesetzgebungsprozess einbezogen wurden.
Betroffen sind viele Transmänner, Transfrauen, queere und nichtbinäre Menschen – also alle jene, die bislang ihr Geschlecht frei bestimmen konnten. Für diese entsteht Unsicherheit, insbesondere für solche Personen, die sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen haben, in Hormonbehandlungen sind oder geheiratet haben. Zukünftig könnten nun auch fremde Personen und staatliche Stellen über ihre Geschlechtszuordnung entscheiden.
Das Oberste Gericht hatte 2014 weitreichende Rechte für Transpersonen anerkannt, darunter ein drittes Geschlecht neben Mann und Frau sowie Gleichheit vor dem Gesetz und Schutz vor Diskriminierung. Diese wurden 2019 gesetzlich verankert, inklusive Unterstützungsprogrammen und Schutzrechten. Viele fürchten nun um diese Errungenschaften.
Die Selbstbestimmung wird durch eine Prüfung durch medizinische und staatliche Stellen abgelöst. Dies löst Ängste vor verstärkter Diskriminierung, Verletzung der Privatsphäre und sogar Kriminalisierung aus. Auch Medizinerinnen und Mediziner könnten in Konflikt mit dem Gesetz geraten, wenn sie geschlechtsangleichende Eingriffe durchführen. Spitäler müssen nun solche Operationen den Behörden melden. Viele befürchten um ihr Recht zu kämpfen, in Würde und Freiheit zu leben sowie medizinische Maßnahmen zur Geschlechtsumwandlung oder Hormontherapie durchführen zu lassen.
Transpersonen werden paradoxerweise einerseits verehrt, ihre Segensgaben sind bei Neugeborenen und Hochzeiten begehrt. Andererseits finden sie oft keine gesellschaftliche Integration vor und erleben soziale Diskriminierung. Häufig werden sie von ihren Familien verstoßen, in der Schule diskriminiert und haben Schwierigkeiten eine Arbeit zu finden. Ihnen bleibt oft nur die Wahl zwischen Sexarbeit oder Betteln.
Echo der Zeit, 25.03.2026, 18 Uhr; srf/harm;odem