Die Fahrt entlang der Rebhänge vom Genfersee bei Cully bis nach Epesses offenbart eine malerische Idylle. Epesses, bekannt für sein pittoreskes Bild mit eng aneinandergereihten Häusern auf steilen Hängen, ist ein zentraler Ort im Lavaux. Die Winzerfamilie Duboux bewohnt diesen Ort seit über sechs Jahrhunderten und wird von Blaise Duboux in der 17. Generation geleitet. Er wohnt direkt am Dorfplatz, wo sich früher einmal ein Friedhof befand, bevor dieser verlegt wurde.
Heutzutage sind Änderungen in diesem geschützten Gebiet kompliziert. Das Lavaux ist seit 2007 UNESCO-Weltkulturerbe und die Ortsbilder unterliegen strengen Schutzbestimmungen. Nach langwierigen Verhandlungen haben sich Winzer, Touristiker, Gemeinden, Bund und Kanton auf einen neuen Gestaltungsplan geeinigt, der alle charakteristischen Elemente des Lavaux wie Häuser, Trockensteinmauern, Wege, Bäche und den felsigen Untergrund dokumentiert.
Duboux erklärt, dass selbst kleine Veränderungen diskutiert und einer Gemeindekommission vorgelegt werden müssen. Die Winzer fordern Mitspracherechte, während Duboux der Meinung ist, dass der strenge Schutz gerechtfertigt sei, um das jahrhundertealte Kunsthandwerk des Mauer- und Rebbaus zu bewahren.
Gemeindepräsident Alain Bouquet von Chexbres sieht die Situation entspannter. Er kritisiert, dass manche das Lavaux unnötig isolieren möchten. Für ihn ist der Abriss nicht vertikaler Mauern zwischen Parzellen des gleichen Besitzers kein Tabu, solange die Stützmauern erhalten bleiben.
Duboux hingegen kann sich den kompletten Abriss von Mauern kaum vorstellen und sieht sich durch den rigorosen Schutz in seiner Entwicklung eingeschränkt. Um seine Weine länger reifen zu lassen, hätte er auf seinem Anwesen gern den Keller ausgebaut, was ihm jedoch oberirdisch verwehrt blieb. Stattdessen entschied er sich für eine Lagerung außerhalb seines Grundstücks.
Der Vorwurf, dass Winzer im Lavaux jegliche Entwicklung blockieren, wird von Duboux zurückgewiesen. Er nennt das Beispiel eines Nachbarn, der sein Dach renoviert und Solarzellen installiert – ein erlaubter Schritt bei korrekter Ausrichtung und Farbe. Ein anderes Haus hat braune Panels, die gut ins Ortsbild passen.
Ein Leitfaden für Solarpanels wurde nach Angaben von Bouquet vereinbart, was in Anbetracht der drohenden Energiekrise positiv sei, da das Lavaux viel Energie erzeugen kann. Trotz Kritik sieht sich Duboux nicht als Herrscher des Lavaux, sondern eher als Sklave seiner Rebberge und hat das Ziel, das Erbe seinem Nachwuchs in der 18. Generation zu erhalten.