Nach einem Auszug aus ihrer Wohnung wurden Personen im Flüchtlingsheim Rapperswil-Jona untergebracht. Seit Kriegsbeginn beherbergt das ehemalige Mädcheninternat des Klosters Mariazell in St. Gallen Ukrainerinnen. Eine Untersuchung von «10vor10» zeigt, dass ein Drittel der 60 kontaktierten Gemeinden und Städte Obdachlose in Notunterkünften für Flüchtlinge aufnimmt, die ansonsten leerstehen könnten.
Die Mehrheit berichtet über Einzelfälle, oft betroffen sind Personen mit Mietrückständen oder Betreibungen. In Wädenswil stieg die Zahl der Obdachlosen in zwei Jahren um 50 Prozent auf etwa 45 Fälle. Miriam Liechti von der Sozialverwaltung erklärt, dass Verwaltungen weniger tolerant werden und schneller kündigen würden. Die Anmietung von Wohnraum ist schwierig, weshalb Asylunterkünfte genutzt werden.
In Rapperswil-Jona fühlte sich eine IV-Bezügerin durch die Unterbringung im Asylheim anstatt in einer der 70 Notwohnungen diskriminiert. Eine ukrainische Familie war kurz davor, ein freies Zimmer zu beziehen. Robin Bannwart von der Stadt betont, dass zwischen Schweizern und Flüchtlingen nicht unterschieden werde; die Notsituation hat Vorrang.
Laut Artikel 12 der Bundesverfassung müssen Gemeinden Obdach für Bedürftige bereitstellen. Die finanzielle Situation wird später geprüft, wer Lohn und Vermögen hat, muss die Notunterkunft selbst bezahlen. In Amriswil haben sich in einem ehemaligen Hotel Randständige mit ukrainischen Flüchtlingen zusammengefunden; es gab bedrohliche Zwischenfälle.
Rapperswil-Jona mietete eine zusätzliche Etage im Asylheim an, um 33 Mietende zu vermeiden, die sonst obdachlos geworden wären. Die Stadt bleibt darauf vorbereitet und hält die Etage weiterhin angemietet, obwohl nur drei Personen einquartiert wurden.
Die Gebäudeversicherung des Kantons St. Gallen wird kritisiert, weil sie Steuergelder nutzt, um durch Abrisse verursachte Notfälle zu bewältigen. Edgar Wick betont, dass die Anstalt auch Härtefälle unterstützt habe, indem sie Mieten vorübergehend selbst trug und Wohnungen leer hielt.
Die IV-Bezügerin fand nach einem Monat im Asylheim eine neue 3-Zimmer-Wohnung in Hombrechtikon für 1500 Franken. Mehr Informationen bietet die Sendung «10vor10» heute Abend um 21:50 Uhr auf SRF 1.