Die Unruhen im Nahen Osten eröffnen neuen Raum für die militanten Kurden. In Bern wird eine Märtyrerin gefeiert, die Frauen aus Westeuropa in das Gebiet Rojava führte. Gleichzeitig enthüllen Ermittlungsakten den autoritären Charakter der PKK.
In einem schlichten Raum in Bern versammeln sich rund vierzig junge Menschen, meist Frauen und Männer, eng beieinander. Nach einer Schweigeminute folgen Sprechgesänge und Reden voller Kampfeswillen. Videos zeigen Bilder von Abdullah Öcalan, dem inhaftierten PKK-Führer, dessen Partei als Terrororganisation gilt.
Die PKK hatte vor einem Jahr Pläne zur Auflösung bekanntgegeben, doch der Prozess ist nicht abgeschlossen. Das Chaos im Nahen Osten bringt die Kurden erneut in Konflikt und verstärkt ihr Unabhängigkeitsstreben – auch hier in der Schweiz.
In der Schweiz wurde die PKK nie verboten, was es ihr ermöglichte, ein Reduit zu errichten. Der Türkei-Experte Hans-Lukas Kieser sagte vor einem Jahr zur “NZZ am Sonntag”, dass sich möglicherweise einige Tausend Mitglieder in der Schweiz befinden könnten.
In Bern trafen sich Gruppen wie die Jugendabteilung PKK, deren Vorfeldorganisationen Experten sehen. In diesem Raum hängt neben dem Bild von Öcalan ein Porträt einer Frau: Biseng Brusk. Anlässlich dieses Treffens wird das “Komitee der Märtyrerin Biseng Brusk” gegründet.
Rojda Bilen, geboren 1988 in Lausanne und unter dem Decknamen Biseng Brusk bekannt, war eine bedeutende PKK-Führerin. Die Tochter aus einem konfliktreichen Gebiet der Türkei trat mit 23 Jahren bei und wurde schnell einflussreich.
Im Sommer 2023 wurde sie in Nordirak von einer türkischen Drohne getötet, was ihr posthum Legendenstatus verlieh. Sie wird als “Schweizer Märtyrerin” verehrt.
Deutsche Verfassungsschützer bemerken den propagandistischen Gebrauch ihres Bildes zur Rekrutierung neuer Anhänger, besonders im linken Spektrum. Die PKK fördert das Bild der kurdischen Frauenmilizen als feministische Erfolgsgeschichte.
Ermittlungsakten aus Deutschland zeichnen ein autoritäres Bild der PKK, die Spendensammlungen und strenge Ordnung betreibt. Der Schweizer Nachrichtendienst bestätigt diese Praktiken auch hierzulande.
Obwohl die PKK ihre Auflösung verkündete, ist sie weiterhin aktiv und von internen Machtkämpfen geprägt.