Die Sozialdemokratinnen im Zürcher Kantonsrat setzen sich verstärkt für mehr Frauen in Gremien ein, was das Ende der unkomplizierten Zustimmung zu Männernominierungen signalisiert. Personalfragen, insbesondere bei Ersatzwahlen für externe Kommissionen, werden normalerweise bürokratisch abgewickelt: Die Regierung legt einen Vorschlag vor, die vorberatende Kommission stimmt zustimmend und der Kantonsrat wählt ohne Diskussion. Ausnahmen sind selten, doch im Fall von Christian Zehnder, Direktor des Arbeitgeberverbands Zürich, entzündete sich Protest: Drei SP-Frauen forderten in der Bildungskommission seine Nichtwahl für die Berufsbildungskommission – nicht aufgrund mangelnder Fachkompetenz, sondern weil er eine Frau ersetzen soll. Mandy Abou Shoak verteidigte den Vorstoss als Frage einer ausgewogenen Perspektivenvielfalt, ohne explizit das Geschlecht zu erwähnen. Sibylle Jüttner räumte ein: «Es ging ausschliesslich um die Geschlechterverhältnisse. Mit Zehnders Wahl wären nur noch zwei von neun Sitzen mit Frauen besetzt.» Die Kritik stösst jedoch an institutionelle Grenzen, da bei Rücktritten üblicherweise eine Person aus derselben Organisation nachrückt.
Kantonsrat Rochus Burtscher (SVP) kritisierte die geschlechterbezogene Argumentation: «Die Parität ist entscheidend. Eine Person tritt zurück, eine andere folgt – das Geschlecht sollte keine Rolle spielen.» Er fügte hinzu, dass bei einem männlichen Arbeitnehmervertreter auch die SP eine Frau nominieren sollte, was Sibylle Jüttner als berechtigte Kritik anerkannte.
Mit dem Antrag gegen Zehnders Wahl möchte die SP-Fraktion ein Signal setzen, dass Frauen mehr gefördert werden sollten. Trotz der Annahme, dass Fachkompetenz entscheidend sei, glaubt Jüttner: «Es gibt viele fähige Frauen für solche Aufgaben.» Zehnder äusserte sich gelassen zur Debatte und nahm sie als politischen Prozess hin.
Obwohl der Antrag im Kantonsrat wahrscheinlich keine Mehrheit finden wird, ist die Botschaft klar: Für eine SP-Mehrheit sind geschlechtergerechte Besetzungen essenziell geworden.