Die Jungfreisinnigen haben die Initiative ‘Verwaltungsbremse’ ins Leben gerufen, mit dem Ziel, das Ansteigen der Personalausgaben der Bundesverwaltung zu begrenzen. Diese dürfen laut Initiative nicht stärker wachsen als der Medianlohn der Schweizer Bevölkerung. Sollte die Schaffung neuer Stellen oder eine überproportionale Lohnerhöhung geplant sein, ist eine Kompensation an anderer Stelle erforderlich. Ausgenommen von dieser Regel sind ETHs und die Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung. Das Komitee der Initiative setzt sich zusammen aus Mitgliedern der Jungfreisinnigen sowie Abgeordneten der Parteien SVP, FDP, Mitte und GLP. Bis Oktober 2027 ist es erforderlich, 100.000 gültige Unterschriften zu sammeln.
Die Bundesverwaltung hat sich in den letzten Jahren vergrößert: von rund 33.000 Vollzeitstellen im Jahr 2010 auf etwa 39.000 im Jahr 2025. Die Jungfreisinnigen sehen darin ein übermäßiges Wachstum, das Fachkräfte bindet und die nationale Wertschöpfung schwächt, so Jonas Lüthi, Präsident der Jungfreisinnigen. In diesem Zeitraum stiegen die Personalkosten um 32 Prozent. Die Verwaltungsbremse hätte dies auf 16 Prozent begrenzt – eine Einsparung von rund 7 Milliarden Franken wäre möglich gewesen.
Darüber hinaus erhofft sich das Komitee durch die Initiative mehr Digitalisierung und Effizienzsteigerungen. “Wenn neue Aufgaben nicht durch zusätzliche Stellen gelöst werden können, wird der Druck steigen, bestehende Prozesse zu optimieren”, erklärt Melanie Racine, Vizepräsidentin der Jungfreisinnigen – oft auch mit Hilfe digitaler Lösungen. Ein weiterer positiver Nebeneffekt könnte die Drosselung von Regulierungen sein.
Barbara Gysi, SP-Nationalrätin und Präsidentin des Personalverbands des Bundes, hält die Initiative für sachfremd. Die Aufgaben der Bundesverwaltung richten sich nach gesetzlichen Vorgaben des Parlaments, nicht nach dem Medianlohn, sagt sie. Zudem würde das Tempo bei der Reaktion auf neue Entwicklungen leiden; der Druck in der Verwaltung sei ohnehin schon hoch. Gysi weist darauf hin, dass die Personalkosten im Vergleich zu den Gesamtausgaben des Bundes rückläufig seien.
Kuno Schedler, Professor für Public Management an der Universität St. Gallen, betont, dass das Wachstum der Bundesverwaltung in Relation zur Aufgabenzunahme gesehen werden müsse. Neue oder komplexere Aufgaben könnten den Bedarf erhöhen. Trotzdem gibt es Spielraum für Effizienzsteigerungen: Überflüssige Aufgaben könnten gestrichen und Prozesse optimiert werden.
Bürgerliche Politiker äußern bereits seit längerem Kritik am Wachstum der Bundesverwaltung. Im Parlament gab es mehrfache Vorstöße zur Reduzierung. Mit dem Entlastungspaket 27 plant der Bund Einsparungen von rund 200 Millionen Franken im Personalbereich zwischen 2026 und 2028.