Die schiitische Miliz Hizbullah hat die brasilianische libanesische Diaspora infiltriert und nutzt das Land als Finanzzentrum sowie Operationsbasis. Eng verbunden mit der organisierten Kriminalität, betreibt sie Geschäfte im Kokainhandel bis hin zur Produktpiraterie.
In São Paulo befindet sich die wichtigste schiitische Moschee Brasiliens in Brás, einem ehemaligen italienischen Viertel, das heute ein großer Basar ist. Dort sind Textilien und Elektronik zu finden, während Gebetsrufe im Trubel untergehen. Schüler besuchen die Moschee außerhalb der Gebetszeiten und sprechen mit Najat, einer in Brasilien aufgewachsenen Führerin, über das Leben als Muslimin hier. Trotz häufiger Besuche durch Gläubige aus dem Ausland bleibt sie bei Fragen zu Hizbullah-Verbindungen vage.
Journalist Leonardo Coutinho behauptet jedoch, dass die Moschee das Zentrum der Hizbullah-Aktivitäten in Brasilien darstellt. Nach Angriffen auf den Hizbullah im Libanon seien viele Familienangehörige der Miliz nach Brasilien gekommen, so Coutinho, der auch für das konservative Think-Tank Center for a Secure Free Society arbeitet.
Obwohl Coutinhos Behauptungen nicht eindeutig belegt sind, berichtet ein Bundespolizeiexperte von einer erhöhten Hizbullah-Präsenz seit zwei Jahren. Die Anwesenheit der Miliz ist möglich durch den einfachen Zugang zu Touristenvisa oder Familiennachzug in Brasilien – einem Land mit einer bedeutenden libanesischen Diaspora.
Rashmi Singh, eine Terrorismusexpertin und Herausgeberin des Magazins “Perspectives on Terrorism”, bestätigt einen Anstieg der identifizierten Hizbullah-Vertreter in Brasilien. Trotz dieser Erkenntnisse ignoriert die brasilianische Regierung das Thema öffentlich, da sie den Hizbullah nicht als terroristische Organisation eingestuft hat.
Die Präsenz des Hizbullah ist nicht neu; Bundespolizist Marcos Koren verfolgte deren Entwicklung seit den 1980er Jahren. In der Dreiländerregion Foz de Iguaçu wurde eine Basis für Finanzierung und Logistik etabliert, unterstützt von libanesischen Gemeinschaften, die oft in Schmuggelaktivitäten involviert sind.
Koren erklärt weiterhin, dass Kokain aus Bolivien zu einer wichtigen Einnahmequelle wurde. Obwohl der Hizbullah offiziell keine Drogengeschäfte betreiben soll, gab es eine Fatwa, die den Handel mit Kokain als Mittel gegen Ungläubige rechtfertigte.
Die Anschläge auf israelische Einrichtungen in Buenos Aires 1992 und 1994 werden dem Hizbullah zugeschrieben, was zu verstärkter Überwachung der Dreiländerregion durch die USA führte. Der Umzug des Hizbullah-Zentrums nach São Paulo wird mit strengeren Schmuggelkontrollen in Südbrasilien begründet.
Brás, ein riesiges Gebiet voller illegaler Aktivitäten, ist heute der Handelsknotenpunkt für schmuggelnde Gruppen inklusive Hizbullah. Eine perfekte Arbeitsteilung zwischen kriminellen Organisationen und korrupten Polizeieinheiten existiert hier.
Der Hizbullah ist tief in die brasilianische Gesellschaft integriert, was durch Fotos von Geistlichem Besuchen im Gouverneurspalast belegt wird. Politiker und der brasilianische Geheimdienst Abin haben angeblich gute Verbindungen zum Hizbullah.
Die Bedeutung Brasiliens für den Hizbullah hat zugenommen, da Unterstützung aus dem Iran und Venezuela wegfällt. Singh argumentiert, dass Brasilien durch seine geografischen und politischen Gegebenheiten ein idealer Rückzugsort ist, obwohl die brasilianische Regierung dies möglicherweise nicht als größte Bedrohung ansieht.