Bereits die Portugiesen erkannten die strategische Wichtigkeit der Meerenge im Persischen Golf, wie Irans jüngste Blockade dieser Handelsroute bestätigt. Diese Passage ist seit Jahrtausenden ein kritisches Schifffahrtsnadelöhr. Im Monsun-Handel nutzten hölzerne Schiffe die Winde des Monsuns zur Navigation zwischen Ostafrika und Indien, wobei sie an der südlichen Arabischen Halbinsel vorbeifuhren in den Persischen Golf hinein.
Die Offenheit zur See prägte die Gesellschaften am Golf genauso wie die drei geografischen und politischen Zentren Mesopotamien (Irak), Persien (Iran) und die Arabische Halbinsel (heute vorwiegend Saudi-Arabien). Meist wurden diese Regionen von Dynastien aus Iran, Irak, der Türkei oder Arabien beherrscht. Nur selten gab es lokale Staaten mit Unabhängigkeit – wie auf den Bahrain-Inseln oder an der Meerenge selbst.
Im 11. Jahrhundert etablierte sich eine omanische Dynastie in der Nähe der iranischen Küste, verlegte ihre Hauptstadt im 14. Jahrhundert nach Hormuz. Die Portugiesen eroberten die Region im frühen 16. Jahrhundert und errichteten mit den Omanern ein Königreich, das von der Insel Hormuz aus über Jahrzehnte die Region kontrollierte.
Europäische Kolonialmächte übernahmen viele Aspekte des muslimisch geprägten Monsun-Handels. Besonders die britische East India Company hatte Interesse an der Region und unterstützte 1622 die iranischen Safawiden bei der Vertreibung der Portugiesen und Übernahme von Hormuz. Die Safawiden etablierten sich als dominante Macht, indem sie den Iran ausbauten und zum schiitischen Islam konvertierten.
Britische Interventionen gegen sogenannte Piraten auf der westlichen Golfküste (heute die Vereinigten Arabischen Emirate) führten zur Eingliederung des Golfs in das britische Empire. Durch mehrere Militäraktionen und Bündnisverträge ab 1820 sicherte Großbritannien seine Interessen, während lokale Herrscher innere Angelegenheiten weitgehend selbst regelten.
Auch Iran geriet unter britischen Einfluss. Der kulturelle Austausch blieb bestehen, und die Region zeichnete sich weiterhin durch Handel und religiöse Vielfalt aus. Die Verträge mit Großbritannien ermöglichten den kleineren Golfstaaten ihre Unabhängigkeit bis 1971 (Kuwait bereits 1961).
Im 19. Jahrhundert lag der Fokus auf der Sicherung des Seewegs nach Indien und dem Ausschluss anderer europäischer Mächte aus der Region. Die lokale Wirtschaft war lange auf die Perlfischerei konzentriert, bis die Erdölförderung ab Mitte des 20. Jahrhunderts neue strategische Bedeutung gewann.
Die Golfstaaten profitierten von Instabilitäten in der Region und entwickelten sich zu wichtigen Finanzzentren. Nach der Islamischen Revolution 1979 wurden viele iranische Handelsaktivitäten über die Golfstaaten umgeleitet. Die USA wandten sich den Golfstaaten zu, während diese selbst ihre Ölfirmen verstaatlichten.
Die Industrien der Region, darunter Petrochemicals und seltene Erdenproduktion, sind von globaler Bedeutung. Katar wurde zum wichtigsten Gaslieferanten weltweit. Die Unterbrechungen in den Gaslieferungen beeinflussen Europa stärker als die Ölunterbrechungen.
Iran-Experten warnen seit Jahrzehnten vor der potenziellen Schließung der Strasse von Hormuz, ein Grund dafür, dass bisher keine direkten Kriege gegen Iran geführt wurden. Die strategische Position der Meerenge ist im iranischen Denken tief verwurzelt und wird als wichtige Waffe betrachtet.
Die jüngsten Ereignisse zeigen die Komplexität des Konflikts: Nur wenige Schiffe passieren Hormuz unter hohen Gebühren oder aus Nichtfeindstaaten. Die Situation bleibt angespannt, bis ein Friedensabkommen erreicht ist, das auch die Zukunft der Meerenge regelt.